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Bizarrer Rechtsstreit : Falscher Honorarkonsul in Haft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als falscher Abgesandter eines Königreichs lebte ein Mann samt Familie jahrelang fürstlich bei Friedland

Im Fall des falschen Honorarkonsuls aus Cosa (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) hat das letzte Kapitel begonnen. Der 66-Jährige hat jetzt in Neubrandenburg seine Haftstrafe angetreten, wie Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler sagte. Damit ist der Rechtsstreit um den bizarren Fall nach fast vier Jahren beendet. Der ehemalige SED-Parteifunktionär hatte sich von 2009 bis 2012 als Honorarkonsul des Königreichs Jordanien ausgegeben, fürstlich residiert und Geschäftspartner um mehr als 100 000 Euro betrogen. Dafür muss er eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verbüßen.

Der Rechtsstreit ging über drei Instanzen, zuletzt hatte das Oberlandesgericht in Rostock Ende 2015 ein Berufungsurteil des Landgerichtes Neubrandenburg bestätigt. „Regulär bekam der Mann nun die Aufforderung zum Haftantritt und der folgte er vor wenigen Tagen in die Haftanstalt“, sagte Zeisler. Als angeblicher Honorarkonsul hatte der Mann mit Familie und Scheinfirma auf Schloss Cosa bei Friedland residiert, wo er auch opulente Empfänge für gute Bekannte gab. Diesen versprach er hoch dotierte Anstellungen, wofür sie mit Geld und teuren Autos in Vorleistungen gingen.

So hatte er auch angekündigt, dass jordanische Geldgeber rund eine Million Euro in eine „weltweit agierende Friseurkette“ investieren wollten. Eine Friseurkette mit 60 Beschäftigten aus Brandenburg war damals an dem Geschäft interessiert, gab Geld im Voraus - und geriet dadurch später in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Nachdem Gerichtsvollzieher mehrfach vergeblich versuchten, das Geld wieder zurückzuholen, schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein und ließ das Objekt 2012 durchsuchen. Danach zogen der ehemalige Funktionär einer SED-Kreisleitung und seine 27 Jahre jüngere Frau mit den Kindern aus dem repräsentativen Gebäude aus. Das Paar musste sich zweimal vor Gericht verantworten. Erst wurde der Mann am Amtsgericht wegen Titelmissbrauchs und Betrugs zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Im Berufungsverfahren erkannte der falsche Diplomat eine Schuld an und hoffte auf eine Bewährungsstrafe. Daraus wurde nichts: Das Landgericht verurteilte ihn zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft, was das Oberlandesgericht Rostock schließlich in letzter Instanz auch bestätigte. Die Frau des Hochstaplers hatte in erster Instanz noch eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Betrug erhalten. Die Berufungskammer am Landgericht stellte das Verfahren gegen sie später gegen eine Arbeitsauflage ein. Das Paar hat sechs Kinder.

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