Niederwildbestände gehen zurück : Falsche Sündenböcke?

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Bestände bei Rebhuhn und Fasan sinken – Grüne nehmen Waschbär in Schutz

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08. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Nachricht klang alarmierend: Die Bestände von Rebhuhn, Fasan und Hase seien in Mecklenburg-Vorpommern besorgniserregend, teilte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kürzlich mit. Unter dem Titel „Invasive Arten auf dem Vormarsch: Niederwildbestände gehen zurück“ lieferte er auch gleich drei verantwortliche Übeltäter: Hintergrund für die Abnahme der Populationen sei die Ausbreitung der hier ursprünglich nicht heimischen Arten Mink, Marderhund und Waschbär.

Umweltschützer und Fachleute halten die Erklärung aus dem Ministerium dagegen für zu kurz gegriffen. Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Schulz, sprach von einem „Ablenkungsmanöver mit grotesken Sündenböcken“. Die Grünen-Politikerin führt den starken Rückgang der Bestände bei Rebhuhn, Fasan und Hase vor allem auf eine starke landwirtschaftliche Nutzung in MV zurück. Mit Zunahme immer größerer intensiv genutzter Flächen gibt es kaum noch Nischen für die Natur, erklärte Schulz. In der ausgeräumten Landschaft fänden die Tiere immer weniger Nahrungs- und Lebensräume wie Wiesen und Brachflächen.

Mit einer ironischen Anmerkung reagierte die ornithologische Arbeitsgemeinschaft in MV auf die Mitteilung aus dem Hause Backhaus. „Nun ja, der Schuldige ist gefunden“, kommentierte Vereinschef Dr. Klaus-Dieter Feige. Nach seiner Einschätzung sind Raubsäuger wie Marderhund und Waschbär nur zu einem Bruchteil für den massiven Rückgang des Niederwilds verantwortlich. „Sie sind nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, erklärt Feige. Selbst wenn man alle Waschbären und Marderhunde in MV abschießen würde, würde sich an den Populationsgrößen vieler Vogelarten nicht viel ändern. Einer der Hauptfaktoren für den Artenrückgang ist auch für den Ornithologen Feige die großflächige Landwirtschaft in MV. „Es wird jeder Quadratzentimeter ausgenutzt. Oft durch Monokulturen wie Raps und Mais“, so Feige. Da bleibe wenig Platz für die Tiere.

Zur Verbesserung der Überlebenschancen für die einheimischen Arten kündigte Backhaus „aktive Maßnahmen“ an. Dazu sollen auch Biotopverbesserungen gehören. Die Grünen bleiben skeptisch: Einzelne Maßnahmen würden das Problem in Gänze nicht lösen, hieß es dazu.

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