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Kommentar : Fakultätsrat manövriert sich mit Snowden in Zwickmühle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit sieben Gutachten wurde Ehrenpromotionsverfahren begründet. Dennoch zog Rektor der Uni Rostock die Notbremse.

von
erstellt am 22.Mai.2014 | 20:30 Uhr

Mit sieben Gutachten international angesehener Wissenschaftler hat die Philosophische Fakultät der Uni Rostock das Ehrenpromotionsverfahren für den Ex-Geheimdienstler und Whistleblower Edward Snowden begleitet. Alle arbeiten die hohe gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Dimension der Aufdeckung des Abhörskandals heraus. Der Fakultätsrat hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Snowden sei des Titels eines Doktors „honoris causa“ „in Anerkennung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen“ würdig, wie es die Promotionsordnung verlange, so sein Urteil.

Und dennoch zog gestern Universitätsrektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck die Notbremse. Er sehe nicht die notwendigen wissenschaftlichen Leistungen, hatte der Mediziner schon früher gesagt. Landespolitiker verschiedener Parteien waren längst im Zweifel, ob Snowden in eine Reihe mit Heinrich von Thünen, Albert Einstein oder Max Planck gehöre. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), selbst Kind der Philosophischen Fakultät, wollte sich nicht öffentlich einmischen. Er schlug vor, Snowden für den Alternativen Nobelpreis zu nominieren und lobte dessen Maß an Zivilcourage. Mit Wissenschaftlichkeit hat das aber nichts zu tun.

Wird jetzt das Ehrenpromotionsverfahren für den Whistleblower zur Posse? Nein. Es ist das gute Recht, ja die Pflicht von Rektor Schareck, bei Zweifeln das Verfahren zurück an die Antragsteller zu geben. Das Gute ist, dass öffentlich über die Leistung Snowdens diskutiert wird. Spannend wird, was die Philosophische Fakultät jetzt noch für Argumente hat. Der Fakultätsrat ist in der Zwickmühle. Entweder brüskiert er Schareck, oder er macht einen Rückzieher.

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