Ausbildung in MV : „Fahrtkosten gehen sehr ins Portmonee“

Friedrich Gottschewski ist Jugendbildungsreerent des DGB - und nicht zufrieden mit den Fahrtkosten für Auszubildende in MV.
Friedrich Gottschewski ist Jugendbildungsreerent des DGB - und nicht zufrieden mit den Fahrtkosten für Auszubildende in MV.

Azubis verfahren jährlich rund 686 Euro, um zur Berufsschule zu kommen. Gewerkschaft sieht Arbeitgeber in der Pflicht

svz.de von
11. Juni 2018, 20:45 Uhr

Bei den Fahrtkosten-Zuschüssen für Lehrlinge mit langen Wegen zur Berufsschule soll erneut nachgebessert werden. Aktuell gilt eine Gehaltsobergrenze von 500 Euro, bis zu der die Zuschüsse gewährt werden. Künftig sollen auch Lehrlinge den Zuschuss bekommen, wenn sie mehr verdienen. Das kann aber nicht die endgültige Lösung sein, findet der Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend in MV, Friedrich Gottschewski. Im Gespräch mit Udo Roll präsentiert der Gewerkschafter eine Alternative, die auch die Arbeitgeber in die Verantwortung nimmt.

Damit mehr Azubis den Zuschuss für Fahrtkosten in Anspruch nehmen können, will die Landesregierung die Lohngrenze anheben. Welche Höhe halten Sie für angemessen?

Wir finden eine Bemessungsgrenze von 635 Euro sinnvoll und orientieren uns damit an unseren Forderungen für eine Mindestausbildungsvergütung. Die angekündigten Änderung beim Fahrtkosten-Zuschuss ist aus unserer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung. Das kann aber nicht die endgültige Lösung sein.

Was wäre die Alternative zum aktuellen Modell?

In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist Mobilität das A und O für Jugendliche. Zielführender und deutlich unbürokratischer wäre deshalb ein landesweites Azubi-Ticket, mit dem Auszubildende den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen können und auch mal ins Kino fahren können.

Wie problematisch sind denn die Fahrtkosten für Auszubildende in MV?

Azubis müssen mitunter 100 Kilometer und mehr zur Berufsschule fahren, teilweise sogar in andere Bundesländer. Einem Berufsschüler in MV sind 2014 im Schnitt jährlich rund 686 Euro an Fahrtkosten entstanden. Das geht schon sehr ins Portmonee.

Und wie soll das Azubi-Ticket finanziert werden?

Neben dem Land sollten sich auch die Arbeitgeber mit einem Zuschuss an der Finanzierung beteiligen.

Firmen und Unternehmen haben große Nachwuchsprobleme, mit der Beteiligung am Azubi-Ticket könnten sie mithelfen, die jungen Leute im Land zu halten.

Die Unterstützung des Arbeitgebers bei den Kosten für Unterkunft und Fahrten zur Berufsschule spielen für Jugendliche bei der Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung eine nicht unwesentliche Rolle.

Was sagen denn die Arbeitgeber zu ihren Plänen?

Es gibt noch keine konkreten Gespräche. Aber viele Arbeitgeber unterstützen ihre Auszubildenden bereits. Sie stellen ihnen Fahrzeuge zur Verfügung oder beteiligen sich an den Fahrt- und Unterkunftskosten. Sie haben erkannt, dass sie etwas tun müssen, um die Fachkräfte in Mecklenburg-Vorpommern nicht zu verprellen.

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