Tipps zur Steuererklärung : Fahrt zur Arbeit: Der Fiskus zahlt mit

Ob mit Auto oder Bahn  – an den Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit kann man den Fiskus beteiligen. Foto: Boris Roessler, dpa
Ob mit Auto oder Bahn – an den Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit kann man den Fiskus beteiligen. Foto: Boris Roessler, dpa

Der Countdown läuft: Bis zum 31. Mai muss die Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht werden, wenn sie der Steuerpflichtige selbst erstellt hat. Wir geben Ihnen hier Tipps, wie Sie Ihre Steuerlast senken können:

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03. Mai 2012, 09:52 Uhr

Wer für das Jahr 2011 eine Steuererklärung abgeben muss, hat nur noch bis zum 31. Mai Zeit. Es sei denn, er hat einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein damit beauftragt. Dann ist Zeit bis Jahresende. Alle anderen können beim Finanzamt eine Fristverlängerung beantragen oder sich jetzt schnell ans Werk machen. Der Aufwand lohnt sich. Rund 800 Euro bekamen Arbeitnehmer in der Vergangenheit durchschnittlich zurück. Wie können Werbungskosten und Sonderausgaben die Steuerlast mindern? Ein Überblick:

Werbungskosten: Arbeitnehmer haben viele Möglichkeiten, den Staat an den Kosten für ihr Berufsleben zu beteiligen. In vielen Fällen müssen sie ihre Ausgaben nicht detailliert darlegen. Der Gesetzgeber hat den Arbeitnehmer-Pauschbetrag eingeführt, der für 2011 auf 1000 Euro festgelegt wurde. Zuvor waren es 920 Euro. Wer höhere Ausgaben geltend machen will, muss sie einzeln aufführen.

Fahrtkosten: Für die Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit kann ein Arbeitnehmer entweder die Entfernungspauschale geltend machen oder die Kosten. "Für die Entfernungspauschale zählt in der Regel die kürzeste benutzbare Straßenverbindung oder die verkehrsgünstigere", sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Pro Entfernungskilometer (nicht Hin- und Rückfahrt zusammengerechnet) darf der Arbeitnehmer 30 Cent ansetzen. "Es müssen aber volle Kilometer sein. Wenn ich eine Strecke von 9,5 Kilometern habe, darf ich nur 9 abrechnen. Gebe ich 10 an, wird das als Steuerhinterziehung gewertet." Welches Verkehrsmittel der Steuerzahler nutzt, ist egal.

Fachliteratur: Zu den vollständig absetzbaren Werbungskosten zählen neben Beiträgen zu Berufsverbänden und -versicherungen auch Bewerbungskosten sowie Ausgaben für Fachliteratur. "Wichtig ist es, dass auf den Quittungen steht, um was für Bücher es sich handelt", betont Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Bei Computern, Telefonen und anderen Arbeitsmitteln müssen Steuerzahler rechnen. "Voraussetzung ist, dass ich das Arbeitsmittel hauptsächlich beruflich nutze", sagt Rauhöft. Allerdings lassen sich nur Arbeitsmittel sofort absetzen, wenn sie nicht mehr als 410 Euro netto gekostet haben. "Bei höheren Beträgen muss ich die Kosten über die Nutzungsdauer verteilt absetzen", sagt Rauhöft.

Umzugskosten: "Ein Umzug muss beruflich veranlasst sein. Ohne Arbeitsplatzwechsel wird das regelmäßig anerkannt, wenn sich der Weg zur Arbeit um mindestens eine Stunde verkürzt", erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Als Werbungskosten anerkannt werden die notwendigen Auslagen für den Transport der Möbel und Umzugskisten, Ausgaben für die Wohnungssuche, Maklerkosten, doppelte Mieten und Ähnliches.

Fortbildungen: Bei Fortbildungen können Arbeitnehmer die Seminar- und Prüfungsgebühren sowie die Fahrt- und pauschaliert auch Verpflegungskosten geltend machen, wenn ein objektiver Zusammenhang mit dem Beruf besteht.

Sonderausgaben: "Unter Sonderausgaben versteht man private Aufwendungen, die nicht mit dem Erwerb von Einkünften verbunden sind und per Gesetz in gewissem Umfang von der Steuer abgesetzt werden können", erläutert Erich Nöll. Diese Ausgaben können teils unbeschränkt, teils im Rahmen von gestaffelten Höchstbeträgen oder bis zu einem festen Höchstbetrag veranschlagt werden. Sie sind in verschiedene Kategorien unterteilbar:

Vorsorgeaufwendungen: "Den größten Posten bilden die Vorsorgeaufwendungen. Dazu gehören beispielsweise Beiträge zur Basisversorgung im Alter", so Nöll. Gemeint sind etwa Aufwendungen zu gesetzlichen und privaten Rentenversicherungen, landwirtschaftlichen Alterskassen oder berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Laut dem Alterseinkünftegesetz steige der absetzbare Anteil dieser Aufwendungen seit 2005 jedes Jahr um 2 Prozent, erklärt Anita Käding. Für 2011 können 72 Prozent der geleisteten Beiträge angesetzt werden, wobei eine Höchstsumme von 14 400 Euro pro Person beziehungsweise 28 800 Euro für gemeinsam veranlagte Eheleute gilt.

Auch die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung, ausgenommen ein vierprozentiger Abschlag fürs Krankengeld, und zur Pflegeversicherung seien derzeit komplett abzugsfähig, erklärt Käding. Analog dazu könnten Privatversicherte ihre Aufwendungen in dem Umfang geltend machen, in dem sie dem Basiskrankenversicherungsschutz entsprächen - Zusatzleistungen wie Chefarztbehandlung oder Einzelzimmer blieben außen vor. Es sei denn, der laut Steuerrecht für die Kategorie "sonstige Versorgungsaufwendungen" festgelegte Höchstbetrag - 1900 Euro bei Arbeitnehmern und 2800 bei Selbstständigen - ist noch nicht ausgeschöpft. Bis zum Erreichen des genannten Limits sind zusätzlich andere vorsorgebezogene Aufwendungen wie Berufsunfähigkeits- oder Haftpflichtversicherung absetzbar.

Unterhaltsleistungen: Neben der Kirchensteuer zählen auch Unterhaltsleistungen an den Ex-Ehepartner als Sonderausgaben. "Der Steuerzahler kann sie allerdings nur dann geltend machen, wenn die unterhaltsbeziehende Person dem zugestimmt hat", betont Uwe Rauhöft. Liege die Zustimmung vor, sei die Abschreibung bis zur Höhe von 13 805 Euro möglich.

Spenden & Beiträge: Spenden müssen durch eine Zuwendungsbescheinigung oder bei Beträgen von weniger als 200 Euro durch eine Buchungsbestätigung nachweisbar sein. Auch Mitgliedsbeiträge für Parteien oder gemeinnützige Vereine sind absetzbar.

Berufsausbildung: "Für die erste Berufsausbildung oder das Erststudium können derzeit bis zu 4000 Euro pro Jahr von der Steuer abgesetzt werden - ab 2012 sind es dann sogar 6000", erklärt Rauhöft. Deklariert werden können dabei neben Studien- beziehungsweise Schulgebühren unter anderem Fachbücher.

Kinder: Was er in die Erziehung und Bildung der eigenen Kinder steckt, kann der Steuerzahler zum Teil auch als Sonderausgabe geltend machen: "Wenn ein Kind eine staatlich anerkannte Ersatz- oder Ergänzungsschule besucht, sind 30 Prozent des Schulgeldes absetzbar", sagt Käding. Höchstens seien es jedoch 5000 Euro. Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Internat dürfen aber nicht angesetzt werden. Zudem bestehe unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, Kinderbetreuungskosten - etwa für Kinderhort oder -garten oder ein Aupair - bis zu einem Betrag von 4000 Euro pro Kind und Jahr als Sonderausgabe anzusetzen.

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