Mecklenburg-Vorpommern : „Fahrlässiger Umgang“ mit Berufsschule

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Nach Kritik: Opposition fordert mehr Geld

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27. Juli 2014, 21:33 Uhr

Zu lange Wege, zu viel Ausfall: Die Kritik der Wirtschaft an den Berufsschulen in Mecklenburg-Vorpommern hat die Landtagsopposition auf den Plan gerufen. Linke- und Grünenfraktion forderten die Regierung auf, mehr Geld in diesen Bildungsbereich zu investieren.

Nach dem jüngsten Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes, der im Februar erschien, gibt kein Bundesland weniger für die Berufsschulbildung aus als MV. Zuletzt, im Jahr 2010, waren es 2200 Euro pro Berufsschüler und Jahr im dualen System (praktische Ausbildung im Unternehmen und Theorie-Unterricht in der Berufsschule). Der Bundesdurchschnitt lag bei 2500 Euro, der Durchschnitt der ostdeutschen Flächenländer bei 2900 Euro.

„Die Zahlen zeigen, dass es im Bereich der beruflichen Bildung dringend Verbesserungen geben muss“, sagte die Bildungspolitikerin der Grünen im Landtag, Ulrike Berger. Der Fraktionschef der Linken, Helmut Holter, kündigte an, das Thema nach der Sommerpause erneut ins Parlament zu bringen. „Der anhaltend fahrlässige Umgang mit den Berufsschulen muss ein Ende haben“, verlangte er. Die Klassenstärken und der Anteil fachfremder Unterrichtsvertretungen müssten deutlich verringert werden. Auch sei die Erstattung der Fahrtkosten zur Berufsschule viel zu bürokratisch.

Die Ausbildungsumfrage 2014 der drei Industrie- und Handelskammern im Nordosten hatte ergeben, dass die Berufsschulen ein ernstzunehmendes Ausbildungshemmnis für Unternehmen geworden sind. Von den 280 befragten Firmen nannten 22,8 Prozent die zu große Entfernung zur Berufsschule als Problem. 10,6 Prozent beschrieben Schwierigkeiten wie Unterrichtsausfall oder mangelnde Praxisorientierung des Berufsschulunterrichts. Diese beiden Punkte lagen auf Platz vier und fünf der Rangliste der am häufigsten genannten Ausbildungshemmnisse.

Das Bildungsministerium widersprach dieser Einschätzung. Ausschlaggebend für die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung sei die Attraktivität des Arbeitsplatzes, erklärte ein Sprecher. Dabei spiele das Lohnniveau immer auch eine Rolle. Wenn jemandem eine Ausbildung nicht gefällt, suche er oder sie sich eher eine neue als noch vor zehn Jahren Jahren. Zu glauben, das habe zuerst mit Schule zu tun, lenke von den Herausforderungen bei der Fachkräftegewinnung nur ab.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg für das östliche MV, Torsten Haasch, beklagte, dass für viele Ausbildungsberufe nur noch an einer Berufsschule im Land der Theorie-Unterricht erteilt wird. Das betreffe auch Berufe mit recht vielen Lehrlingen, wie Konditor, Anlagenmechaniker oder Hotelkaufmann. Wenn ein Lehrling von Eggesin nach Wismar zur Berufsschule fahren müsse, sei das ein echtes Problem. Haasch forderte unter anderem, die Mindestschülerzahlen für Berufsschulklassen zu senken, um mehr Standorte zu erhalten.

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