Bilanz : Fahrerflucht bei jedem fünften Unfall

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Über die Hälfte aller schweren Fälle in MV werden aufgeklärt. Häufig ist Alkohol im Spiel.

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06. Februar 2014, 07:55 Uhr

Fälle von Unfallflucht häufen sich in den letzten Wochen. So sucht die Polizei in Schwerin derzeit einen Autofahrer, der am Dienstag vergangener Woche nach einem Unfall auf der Kreuzung Alexandrinenstraße–Knaudtstraße mit seinem weißen Auto verantwortungslos das Weite suchte.

Am selben Tag fuhr eine Frau in Groß Bengerstorf bei Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ein Verkehrsschild um und machte sich ebenfalls aus dem Staub. „Nur wenige Kilometer weiter gelang es der Polizei, den durch Zeugen beschriebenen Wagen bei Greven zu stoppen“, berichtet Klaus Wiechmann, Polizeisprecher in Ludwigslust. Bei der angehaltenen 50-Jährigen wurde ein Atemalkoholwert von 2,12 Promille gemessen.

Zwei Wochen zuvor war ein Autofahrer nach einem Unfall in Klueß (Landkreis Rostock) geflohen und hatte am Unfallort eine verletzte schwangere Frau und ein Kleinkind zurückgelassen.

In Mecklenburg-Vorpommern muss die Polizei nach jedem fünften Crash den Unfallverursacher suchen. Bei insgesamt 54 799 Verkehrsunfällen registrierten die Beamten 2012 in 9926 Fällen Fahrerflucht, teilte das Innenministerium auf Anfrage unserer Redaktion mit. Diese Tendenz hält an. Bis Ende des dritten Quartals 2013 waren es landesweit 7507 Delikte. Aktuellere Zahlen liegen derzeit noch nicht vor.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) warnt: „Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist kein Kavaliersdelikt und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.“ Meistens handelt es sich um Unfälle mit Bagatellschäden. Allerdings nahmen Autofahrer im vergangenen Jahr auch in 463 Fällen Reißaus, obwohl Verletzten geholfen werden musste. Außerdem wurde Fahrerflucht nach 276 Unfälle mit bedeutenden Sachschäden registriert. Die Aufklärungsquote der Polizei bei diesen Delikten liegt bei 55 Prozent, teilte das Innenministerium mit.

Gibt es keine Zeugen, dann ist beispielsweise häufig auch eine Identifizierung über die Lackrückstände möglich, die vom Fahrzeug des Flüchtigen am Unfallort zurückgelassen wurden.

Die Gründe für Unfallflucht sind vielschichtig: Täter haben oft Angst vor einer Höherstufung in der Haftpflichtversicherung. „Mitunter sollen mit dem unerlaubten Entfernen auch Fahrten unter Alkohol oder ohne Führerschein vertuscht werden“, so ein Polizeisprecher.

Die Folgen werden häufig unterschätzt. Auch bei Bagatellschäden ist einer saftige Geldbuße fällig. Zudem wird in den meisten Fällen eine Führerscheinsperre von zwei Jahren verhängt.

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