Panzerübung : „Fahren, funken, schießen“

Erstes gemeinsames Gefechtsschießen polnischer und deutscher Panzersoldaten auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück
Erstes gemeinsames Gefechtsschießen polnischer und deutscher Panzersoldaten auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück

In Vorpommern haben Polen und Deutsche erstmals gemeinsam mit Panzern geübt und scharf geschossen.

svz.de von
12. Dezember 2018, 20:00 Uhr

Tiefes Grummeln erfüllt die Luft, dann biegen zwei polnische Leopard 2-Panzer auf das Übungsfeld ein. Von der Seite stoßen Schützenpanzer mit deutschen Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück bei Torgelow in Vorpommern dazu. Bewaffnete Männer in Tarnkleidung laufen in Schützenstellungen. „Eine feindliche Einheit ist mehrere Kilometer entfernt, sie soll gestoppt werden“, erläutert ein Offizier den rund 120 Gästen auf der Tribüne. „Cross attachment“ (Annäherung) heißt die Gefechtsübung und es ist eine Premiere.

„Rund 150 Soldaten zweier Nato-Einheiten aus Polen und Deutschland haben zwei Wochen gemeinsam geübt“, erläuterte der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41 Vorpommern, Andreas Durst. „Fahren, funken, schießen“, heißt das Motto. Wichtig ist dabei, dass die Soldaten sich verstehen, deshalb wird fast nur englisch gesprochen. Partner der Deutschen, deren 23 000 Mann starke Panzerdivision Jürgen Joachim von Sandrart in Oldenburg führt, ist die 10. Panzerkavalleriebrigade aus Polen. Das Zusammenwachsen der beiden Brigaden mit je etwa 5000 Mann ist für den Vize-Inspekteur des Heeres der Bundeswehr, Johann Langenegger, ein „Leuchtturmprojekt“.

„Wenn wir von Risiko reden, geht der Blick nach Osten – wir haben die gleichen Sicherheitsinteressen“, sagte der 60-Jährige in Torgelow mit Blick auf Russland. Nicht umsonst seien verschiedene Nato-Truppen in Polen und den baltischen Staaten stationiert. Auch sein polnischer Kollege Jaroslaw Mika schaut in Jägerbrück zu. „Wir ergänzen uns gut, die Polen haben Leopard 2-Panzer, die in Deutschland gebaut wurden und von denen einige aus der Bundeswehr stammen, als diese reduziert wurde“, erläutert ein Bundeswehrsprecher.

Den Zuschauern wird vorgeführt, wie eine fiktive feindliche Einheit erst „aufgeklärt“ und dann mit gemeinsamem Vorrücken gestoppt wird. Lautes Maschinengewehrfeuer und Panzerkanonendonner hallen vom Waldrand zurück, Nebel erfüllt die Luft, als sich die Panzer zurückziehen. Schließlich stoßen zwei Panzer mit polnischer Besatzung dem „Gegner“ seitlich in die Flanke und setzen der Gefechtsübung ein Ende.„Polish and german soldiers are ready to fight together (Polnische und deutsche Soldaten sind bereit, um gemeinsam zu kämpfen)“, sagte der polnische General Mika. Das hört Divisionskommandeur von Sandrart gern. Vor 75 Jahren hatten polnische Kämpfer genau dieser Einheit noch gegen die Deutschen gekämpft.

Wie die Deutschen und die Niederländer unter von Sandrats Kommando wollen auch Polen und Deutschland ihre militärische Zusammenarbeit weiter ausbauen, erläuterte Langenegger. So soll 2019 eine deutsche Einheit komplett einer größeren polnischen Einheit der Partnerbrigade unterstellt werden und umgekehrt.

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