„Tatort“ : Fahndungsfoto aus dem Panini-Album

Haben mit Technikfehlern zu kämpfen: Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Kieler Tatort.
Haben mit Technikfehlern zu kämpfen: Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Kieler Tatort.

Auch die Krimireihe „Tatort“ ist vor peinlichen Pannen und Patzern nicht gefeit.

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07. März 2015, 15:50 Uhr

Miserabler Ton, Ärger mit den Requisiten oder peinliche Geographielücken: Auch die megaerfolgreiche ARD-Krimireihe „Tatort“ ist vor Pannen und Patzern nicht gefeit. So musste sich „Tatort“-Kommissar Christian Ulmen im Januar für die schlechte Tonqualität beim Neujahrskrimi aus Thüringen entschuldigen und gelobte Besserung: „Nächstes Mal gibt’s den derbsten, best-abgestimmten Sound. Nagelt mich drauf fest“, versprach der Schauspieler, der als Kommissar Lessing in Weimar auf Mörderjagd geht, unterstützt von Kollegin Kira Dorn, die von Nora Tschirner gespielt wird. Die Schauspielerin hatte vor der Ausstrahlung von „Tatort: Der Irre Iwan“ noch gewarnt und die Beteiligten auf die miese Tonqualität angesprochen – vergeblich, wie die fast neun Millionen Zuschauer feststellen mussten.


Wenn der Ton sich selbstständig macht



Der Ton spielte den „Tatort“-Machern auch beim letzten Fall des Hamburger Ermittlers Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) im Mai 2012 einen bösen Streich, und das ausgerechnet in der dramatischen finalen Szene. Als der von mehreren Kugeln getroffene Batu im Sterben lag, ertönte plötzlich die Stimme des ARD-Wahlexperten Jörg Schönenborn, der eine anschließende Sendung über die Landtagswahl in Schleswig-Holstein moderierte und sich mit Kollegen abstimmte. „Ja, machste zwei 1:30, Lutz macht das immer“, hörten die verwirrten Zuschauer zu den Bildern des sterbenden Batu, außerdem die Stimme einer Frau, die die mysteriösen Worte sprach: „Nur so, dass die kleinen Haare … da weg sind.“ Grund des Sprach-Wirrwarrs: Ein Techniker hatte den Tonkanal aus dem Wahlstudio in Kiel zu früh geöffnet, so dass beim „Tatort“-Finale für wenige Sekunden zu hören war, was dort gesagt wurde. „Eine bedauerliche Panne“, erklärte später eine Sprecherin des zuständigen Norddeutschen Rundfunks.

Doch nicht nur der Ton, auch die Requisiten sorgten beim „Tatort“ schon für peinliche Momente. So war auf einem Fahndungsfoto, das in einem Kölner „Tatort“ 2001 eine Rolle spielte, der Neonazi Uwe Mundlos abgebildet. Wie das reale Fahndungsbild des mutmaßlichen Mörders, der nach bisherigen Erkenntnissen gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und der zurzeit vor Gericht stehenden Beate Zschäpe dem rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angehört hatte, in den Krimi mit den Kölner Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) kam, wurde nie ganz geklärt. Eine mit dem Zusammenstellen von Requisiten beauftragte Praktikantin der Produktionsfirma soll das Schwarzweißbild von Mundlos, nach dem damals bereits gefahndet wurde, versehentlich in die fiktive BKA-Akte gegeben haben, die in dem Krimi zu sehen war.

Kurios: 2004 tauchte das Fahndungsfoto von Mundlos sowie das seines Komplizen Böhnhardt auch in einer Folge der ZDF-Krimiserie „Küstenwache“ auf. Die Fotos der beiden Neonazis, die Jahre später tot in einem Wohnwagen gefunden wurden, gelangten damals ebenfalls aus Versehen in eine fiktive Kriminalakte.


Fehlgriff mit dem Fußballerkonterfei



Bei der Suche nach Requisiten greifen Produktionsfirmen auch schon mal zum Fußballerkonterfei aus dem guten alten Panini-Sammelalbum. So war im vergangenen Jahr in einem „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring das Bild eines finster dreinblickenden Verdächtigen zu sehen, der sich bei näherem Hingucken und zur großen Verblüffung ausgemachter Fußballfans als der frühere brasilianische Nationalspieler Carlos Mozer entpuppte. Es handelte sich um ein Foto aus dem Panini-Album zur Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, auf das der Requisitenbeschaffer kurzerhand zurückgegriffen hatte. Lustig: Auf der Tafel mit den Bildern mehrerer Verdächtiger war in dem Krimi nicht nur der unbescholtenen Mozer zu sehen, sondern auch Hollywoodstar Bryan Cranston als Drogenbaron Walter White in der legendären US-Serie „Breaking Bad“. Doch nicht nur bei Fahndungsfotos, auch bei Landkarten leisten sich „Tatort“-Macher schon einmal hanebüchene Patzer: So ging es im Drehbuch für einen Fall mit dem beliebten Münsteraner Duo Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) geographisch drunter und drüber. Eine Steuerprüferin behauptete in dem 2011 ausgestrahlten Krimi, eine verdächtige Firma liege im Norden Bulgariens an der Grenze zu Moldawien – dabei grenzen die beiden Länder überhaupt nicht aneinander, wie schon ein kurzer Blick auf die Landkarte verrät.

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