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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 11:15 Uhr

Hochschulen : Fälscher bestrafen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brodkorb will Plagiate unter Strafe stellen / Unis haben Bedenken

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will härter gegen Betrug bei wissenschaftlichen Arbeiten vorgehen. „Ein Täuschungsversuch ist der größte Angriff auf das System der Wissenschaft“, sagte Brodkorb gestern auf der hochschulpolitischen Konferenz der Landesregierung mit rund 100 Vertretern von Hochschulverbänden, Hochschulen, Gewerkschaften und Politik in Greifswald. Brodkorb stellte ein sechs Punkte umfassendes Thesenpapier vor. Landesweit sollen demnach Plagiate in Doktorarbeiten strafbar werden.

„Es ist für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar, dass der Diebstahl von fünf Tüten Gummibärchen gravierender geahndet wird als der Diebstahl geistigen Eigentums“, sagte Brodkorb. Für eine strafrechtliche Verfolgung müsste das Landeshochschulgesetz geändert werden.

Aberkennungen von Doktortiteln bei Prominenten hatten eine bundesweite Debatte über den Umgang mit Plagiaten ausgelöst. Brodkorb sieht inzwischen andere Länder wie Hamburg oder Nordrhein-Westfalen bei der Schaffung klarer Regelungen als Vorreiter. „Ich kann mir nicht vorstellen, geringere Maßnahmen vorzusehen als andere Länder. Das wäre ein verheerendes Signal.“

Kritik an der geplanten Änderung des Landeshochschulgesetzes kommt von Hochschulen und Verbänden. Eine strafrechtliche Verfolgung wäre ein starker Eingriff in die Autonomie der Hochschulen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, Michael Hartmer. Man müsse jetzt aufpassen, dass das Kind jetzt nicht mit dem Bade ausgeschüttet werde.

Die Rektorin der Universität Greifswald, Johanna Eleonore Weber, sprach sich für klare Regeln der Qualitätssicherung aus, sieht aber die Forderung nach staatsanwaltschaftlicher Verfolgung ebenfalls kritisch. Vielmehr sei es wichtig, Standards der guten wissenschaftlichen Praxis zu gewährleisten und zu vermitteln, sagte sie. Mit Ombudsstellen gebe es hochschulinterne Systeme, die bei Verstößen agieren.

Die Hochschulen sollen laut Brodkorb bei Promotionen eine eidesstattliche Erklärung verlangen, mit der der Verfasser bestätigt, ohne fremde Hilfe gearbeitet zu haben.


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