Schifffahrt : Fährenspezial 2017: Frequenz zur Saison erhöht

Fähren im Rostocker Hafen: links die „Berlin“, dahinter die „Peter Pan“
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Fähren im Rostocker Hafen: links die „Berlin“, dahinter die „Peter Pan“

Von Neubauten und Verjüngungskuren. Signal für Bahnkunden. TT-Line von Swinemünde auch nach Bornholm

svz.de von
25. Mai 2017, 08:00 Uhr

Die Neubauten von Scandlines bestimmen den Pulsschlag des Umschlaggeschehens im Rostocker Hafen maßgeblich mit. Wie ein Uhrwerk ziehen die Hybridfähren „Berlin“ und „Copenhagen“ ihre Bahn zwischen Rostock und Gedser. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Frachtverkehr auf dieser Strecke ein Plus von 16 Prozent und auch die Zahl der Pkw stieg um 9,1 Prozent. Für 2017 werden nun keine Steigerungen in dieser Größenordnung mehr erwartet. Das Jahr sei aber zufriedenstellend angelaufen und insgesamt werde ein Zuwachs um sieben bis acht Prozent bei Lkw und vier bis fünf Prozent bei Pkw angesteuert, nennt Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen die erklärte Zielstellung.

Beide Neubauten sind inzwischen komplett ausgerüstet. Von den Vogelfliegern wird dieser Tage die „Prins Richard“ von der Remontowa-Werft in Danzig wieder auf die Relation Puttgarden-Rödby zurückkehren. Im Rahmen der Klasse-Inspektion von Lloyds Register wurden die Rettungseinrichtungen einem gründlichen Test unterzogen, das Feuermeldesystem erneuert, Tanks gereinigt, Risse im Hauptdeck der Fähre instandgesetzt, Sanitärräume renoviert. Im Dock wurde der Schiffsboden repariert und mit neuem Anstrich versehen. Langfristig investiert Scandlines weiter in Umwelttechnologien, sieht im Hybrid-System die Technik von heute und in emissionsfreie Fähren die Zukunft.

Die Fährverbindungen im Überblick – ein Service zusammengestellt von Horst-Dieter Foerster
Die Fährverbindungen im Überblick – ein Service zusammengestellt von Horst-Dieter Foerster
 

Auch die Stena Line, die ihre deutschen Aktivitäten in einem neuen Büro im Rostocker Seehafen bündelt, hat ihre Schiffe verjüngt. So wurde das Eisenbahndeck der „Mecklenburg-Vorpommern“ umfassend repariert, was länger als geplant dauerte und so für zehn Wochen Ersatz vonnöten war. „Die Investition aber war ein Signal an unsere Bahnkunden, dass wir für sie weiterhin ein guter Partner sein wollen“, erklärt Stena-Geschäftsführer Ron Gerlach.

Aufgefrischt wurde auch die „Skåne“. Auf der für Passagierverkehr profilierten „Sassnitz“ wurden insbesondere die Restaurantbereiche modernisiert und Entertainment-Möglichkeiten ausgebaut, um die Überfahrt kurzweiliger zu machen.

Auf der Route Kiel-Göteborg, wo die „Stena Germanica“ mit ihrem Methanol-Antrieb Furore macht, wurde der 50-jährige Fährbetrieb begangen. Trotz der Werftzeiten der Schiffe sei die Saison insbesondere im Frachtverkehr, aber auch in der Passage gut angelaufen, was auch dem Swap-Agreement mit der TT-Line zu danken sei, betont Gerlach. Zur Saison wurde die Abfahrtfrequenz erhöht.

Stena und TT-Line mit Jubiläen

Für die TT-Line begann das Jahr 2017 mit einem feierlichen Anlass: „Unsere Rostock-Route beging ihr 25-jähriges Jubiläum“, erinnert TT-Geschäftsführer Bernhard Termühlen. Alles begann am 9. Januar 1992, als 266 bunte Trabis im Rostocker Hafen an Bord der „Marco Polo“ fuhren. „Die täglich drei Abfahrten von damals haben sich mittlerweile auf bis zu sechs je Strecke verdoppelt, was durch die 2017 fortgeführte Kooperation mit der Stena Line möglich ist“, unterstreicht auch Termühlen. Damit wird den Kunden weiterhin mehr Flexibilität bei der Wahl ihrer Abfahrtszeit geboten. Auch TT-Line meldet Modernisierungen ihrer Flotte. So wurden die öffentlichen Bereiche der Schiffe „Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“ Verjüngungskuren unterzogen. Fußböden, Mobiliar und Decken wurden erneuert, Fenster eingebaut und ein Multifunktions-Outlet geschaffen, das Rezeption, Kaffeebar und Shop zusammenfasst, was längere Öffnungszeiten ermöglicht. Die Zahl der Sitzplätze in der Lounge wurde von 26 auf 91 erhöht.

Besonders stolz, so Termühlen, sei man darauf, dass den Passagieren neben Fußball-Liveübertragungen auch Livedaten des Schiffes übermittelt werden können. „Mit den Info-Screens kommen wir einem vielfachen Wunsch der Gäste nach, sich wie in einem Flugzeug zu fühlen und laufend über Windstärke, Windrichtung, Reisegeschwindigkeit oder Entfernung bis zum Zielhafen informiert zu werden“, so Termühlen.

Mit der „Peter Pan“ erhielt ein weiteres Schiff der Flotte einen Scrubber. Damit ist die Hälfte der TT-Liner mit umweltschonenden Abgaswäschern ausgestattet. Vom 24. Juni steuert TT-Line mit der „Nils Dacke“ von Swinemünde jeweils sonnabends auch die Ferieninsel Bornholm an. Die neue Route ist zunächst nur für die Sommersaison geplant und könnte insbesondere für Berliner eine Alternative zum Bornholm-Verkehr über Sassnitz sein. Die Seezeit beträgt fünf Stunden.

Die dänische Reederei Färgen, die mit ihren Fähren „Hammerodde“ und „Povl Anker“ Sassnitz mit Rønne verbindet, sieht ihr Geschäft aber dadurch nicht beeinträchtigt. Die Saison sei mit drei Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr gut angelaufen und die weiteren Aussichten weiterhin vielversprechend, erklärt Färgen-Manager Jörgen Jensen.

Allerdings läuft zum 1. September 2018 der Betreibervertrag aus. „Bei der neuen Ausschreibung der Route hatten wir gegenüber den Molslinjen leider das Nachsehen“, bedauert Jensen. Inzwischen wurde die Fähre „Povl Anker“ bereits an den neuen Betreiber verkauft, aber für den Fährverkehr in dieser und der kommenden Saison zurückgechartert.

Zwischen Travemünde und Helsinki erhöht Finnlines die Abfahrten auf sieben pro Woche. Passagierverkehr über Rostock nach Finnland erfolgt seit einigen Jahren leider nicht mehr. Auch Stena Line steigert von Travemünde die Frequenz ihres Baltikum-Verkehrs, bietet jetzt aber keinen Dreieckskurs mehr, sondern gesonderte Routen nach Liepaja und Ventspils.
 

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