Fackeln lassen?

  <strong>Berliner Fans  </strong><strong> brannten</strong> beim   Relegationsspiel  Fortuna Düsseldorf gegen  Hertha BSC    im vergangenen Mai Bengalos mitten auf dem Spielfeld ab. <foto>dpa</foto>
Berliner Fans brannten beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC im vergangenen Mai Bengalos mitten auf dem Spielfeld ab. dpa

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08. März 2013, 09:15 Uhr

Riesige Bengalos brennen mitten auf dem Spielfeld. Eine dichte Fantraube stürmt auf den Rasen, während Spieler und ein Schiedsrichter schutzsuchend in die Katakomben drängen. Diese Szenen haben Millionen im letzten Mai beim Skandalspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC verfolgt. Als Reaktion entflammte die öffentliche Diskussion um den Gebrauch von Pyrotechnik in Stadien erneut.

So wurde im Anschluss an die Partie im Juli 2012 ein Fußballgipfel einberufen. Hier diskutierten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sowie Vertretern der deutschen Proficlubs zur Gewalt in Stadien. Als Ergebnis verabschiedeten fast alle Vereine einen Verhaltenskodex, der die klare Ablehnung von bengalischen Feuern vorsieht. Der Kodex bestärkte zudem das Verbot von 2003, nachdem das Abbrennen von Feuerwerkskörpern aller Art von Privatpersonen in Sportstätten eine Straftat ist.

Zwar gilt die Partie zwischen Düsseldorf und Berlin als größtes Skandalspiel in der Geschichte der Bundesliga. Jedoch werden schon seit den 80er- Jahren bengalische Feuer in Stadien entzündet. Da die Fackeln beim Abbrennen bis zu 2000 Grad heiß werden und sehr dichten Rauch erzeugen, sind sie verboten. Das Abbrennen von Bengalos ahnden die meisten Fußballverbände, wie z.B. auch die Fifa. Brennt es auf den Rängen, riskieren Fans Strafen für ihren Verein.

Trotz allem kommt es in den Stadien immer wieder zu Vorfällen. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Die Randale beim Bundesliga-Spiel Leverkusen gegen Frankfurt am 19. Januar diesen Jahres. Erneute Feuerwerke auf den Rängen gaben der Diskussion um Sicherheitsvorkehrungen in Stadien weiteren Zündstoff. Doch warum können Pyro-Fans das Fackeln nicht lassen?

Während Hooligans sich bei Fußballspielen mit gegnerischen Anhängern schlagen wollen, steht bei sogenannten Ultra-Fans das Erlebnis im Vordergrund. Und zur richtigen Fußball-Atmosphäre gehört bei ihnen die Pyrotechnik mit dazu. "Wir wollen Bengalische Feuer, Rauchtöpfe, etc. beim Einlaufen der Mannschaften, nach dem Tore, bei besonderen Gesängen und als Choreos", fordern etwa die Anhänger der Kampagne "Pyrotechnik legalisieren! Emotionen respektieren!" Schließlich gäbe es bei vielen anderen Großveranstaltungen auch Feuerwerke. Damit Bengalos und Feuerwerkskörper in Stadien erlaubt werden, setzen sich die Ultras für ein kontrolliertes Abbrennen ein. Sie könnten sich zum Beispiel vorstellen, bengalische Lichter in abgegrenzten Bereichen während eines Spiels abbrennen zu lassen.

So kamen Ultra-Fans mit den Fußballverbänden ins Gespräch. Diese sagten ihnen 2011 zu, ihre Vorschläge einmal zu prüfen - wenn die Fans wiederum in den Stadien einige Zeit auf Bengalos verzichten würden. DFB und DLF brachen aber den Versuch nach einiger Zeit ab. Aus Sicht des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger seien die Versprechungen gegenüber den Fans unüberlegt gewesen. Denn: "Es ist rechtlich nicht möglich, bengalische Feuer, Böller und Raketen im Stadion zu legalisieren, ohne Gesetze zu brechen", schreibt Zwanziger in seiner Biografie.

Heute lehnen DFB und DLF Pyrotechnik in Stadien rigoros ab. Dies haben sie auch in der Diskussion um ein neues Sicherheitskonzept im deutschen Fußball immer wieder betont. Dieser Punkt sei nicht verhandelbar. Auch, weil kein Veranstalter bei Bundesliga-Spielen die Haftung übernehmen würde. Ein weiteres Problem der Bengalos ist, dass sie die Zuschauerränge beim Abbrennen in dichten Rauch hüllen. Dadurch wird es für die Polizei schwierig, die Täter zu identifizieren. Insbesondere, weil sich Randalierer oft mit Kapuzen, Schals und Tüchern vermummen.

Während Fans hierzulande ein bundesweites Stadionverbot riskieren, wenn sie Pyrotechnik abbrennen, ist das in anderen Ländern ohne große Zwischenfälle möglich. In Norwegen sind Bengalos im Stadion unter strengen Auflagen sogar erlaubt. Auch in Frankreich, Italien und der Türkei wird diese Art der Fan-Unterstützung weniger kritisch gesehen. Sportkommentatoren schwärmen hier immer wieder von dem tollen Flair auf den Zuschauertribünen.

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