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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 08:59 Uhr

Fachkräftesuche: Chefs sind am Zug

vom

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2012 | 07:22 Uhr

Schwerin | Höhere Löhne, bessere Betreuungsangebote für Alleinerziehende, neue Ausbildungsmodelle für 30 000 ungelernte Beschäftigte im Nordosten: In MV sind Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zufolge jetzt vorrangig die Unternehmer am Zug, um in den kommenden Jahren den drohenden Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Bislang sei es die Wirtschaft gewöhnt gewesen, dass ihr vieles abgenommen wurde, sagte der Landeschef gestern beim Arbeitsmarkt-Gipfel in Schwerin. Doch: "Die Unternehmer müssen selbst mehr Verantwortung übernehmen." Dazu zähle vor allem "eine leistungsgerechte und gute Bezahlung." Dabei sei der von der rot-schwarzen Landesregierung vereinbarte Mindestlohn nur die "unterste Grenze", mit der eine "Spirale nach oben" in Gang gesetzt werden solle, sagte Sellering: "Wenn die wirtschaftliche Entwicklung gut ist, müssen die Menschen davon profitieren." Die Not ist groß: Derzeit würden 45 000 Beschäftigte in MV trotz Arbeit Finanzhilfen aus den Jobcentern beziehen - ein Drittel sogar trotz Vollzeitjob, beklagte Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Der Wirtschaft bleibt kaum eine Wahl: "Wenn die Menschen anderswo das Doppelte verdienen, dann gehen sie weg aus Mecklenburg-Vorpommern", appellierte Sellering an die Firmenchefs. Er erinnerte an das mit den Sozialpartnern in MV geschlossene Bündnis für Tarifpartnerschaft und sicherte der Wirtschaft und den Gewerkschaften Tarifautonomie zu. Künftig werde es nicht mehr um jede Lehrstelle oder jeden Arbeitsplatz eine Vielzahl von Bewerbern geben. Vielmehr hätten Fachkräfte die Wahl zwischen mehreren Angeboten. Um mithalten zu können, müssten die Unternehmen für attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sorgen und auch für die, die weniger gute Voraussetzungen hätten, Angebote unterbreiten. Erste Beispiele gebe es inzwischen. In den Firmen sei ein Umdenken erkennbar, sagte Sellering.

Das dürfte sich auszahlen: Vor allem Alleinerziehende - vorrangig Frauen - bräuchten bessere Rahmenbedingungen, forderte Margit Haupt-Koopmann, Chefin des Landesagentur für Arbeit. "Da haben wir einen wahren Schatz." In MV gebe es 8800 alleinerziehende Arbeitslose, die zu 70 Prozent über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten und viele gern ganztags arbeiten wollten. Dazu seien aber besonders im Einzelhandel und im Hotel- und Gaststättenbereich beispielsweise flexible Lösungen in der Kita-Betreuung notwendig. "Da ist mehr als eine 24-Stunden-Kindertagesstätte in Schwerin notwendig", sagte Haupt-Koopmann.

Gegenwärtig seien in MV 35 000 junge Beschäftigte unter 35 Jahren ohne Berufsausbildungen, bundesweit sogar 1,5 Millionen, sagt Alt. Die Gruppe biete bei der Suche nach Fachkräften eine großes Potenzial. Gemeinsam mit den Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsräten, müsse es gelingen, die Betroffenen für eine Ausbildung zu gewinnen. Es müsse überlegt werden, ob Ausbildungswilligen ein entsprechender Bonus gezahlt werde. Mit "relativ kleinem Geld" könne da viel erreicht werden, sagte Alt - für die Unternehmen und für die Betroffenen. Für Ungelernte sei die Gefahr, arbeitslos zu werden, fast dreimal so hoch wie für Facharbeiter, sagte Alt.

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