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Unternehmen passen Arbeitsbedingungen an : Fachkräftemangel erhöht Job-Chancen für Blinde

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Die Jobchancen für Blinde und Sehbehinderte in MV sind mit dem Fachkräftemangel gestiegen. Viele Branchen und Unternehmen im Land haben ihre Fachkräftesuche verändert und auf neue Zielgruppen ausgerichtet.

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2012 | 06:27 Uhr

Schwerin | Die Jobchancen für Blinde und Sehbehinderte in MV sind mit dem Fachkräftemangel gestiegen. Nach Ansicht der Vereinigung der Unternehmensverbände haben viele Branchen und Unternehmen im Land ihre Fachkräftesuche verändert und auf neue Zielgruppen ausgerichtet. Hintergrund sei der demografische Wandel und das Fehlen gut ausgebildeter Arbeitskräfte in vielen Bereichen, erklärte Sprecher Jens Matschenz. Leistung stehe wieder oben an bei den Personalchefs der Firmen. Wissen und Können seien wichtiger als "formale Suchkriterien", hieß es. Auf die Belange blinder Menschen macht der Tag des weißen Stockes am 15. Oktober aufmerksam.

Eine Reihe von Firmen arbeite gegenwärtig an einer Veränderung der Arbeitsbedingungen wie den Arbeitszeiten oder der technischen Ausstattung. Hilfe kommt auch vom Blinden- und Sehbehindertenverein. "Wir bieten spezielle Punktschrift- und Computerkurse zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg an, um Bildungsdefizite der Betroffenen auszugleichen", sagte Landesverbandschefs Bernd Uhlig. Seit mehreren Jahren vermittelt der Verein zwischen arbeitsuchenden Blinden und Sehbehinderten sowie Unternehmen des Landes. "Aufklärung und Kontakte sind das A und O, um Berührungsängste bei Arbeitgebern abzubauen", betonte Uhlig. Ein Mittel dazu seien Arbeitsverhältnisse auf Probe.

Dennoch suche in MV das Gros der sehbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter weiter eine Beschäftigung, räumte der Verbandschef ein. Sehr aufgeschlossen für das Einstellen Blinder zeige sich die stark expandierende Callcenter-Branche. So seien in einem Rostocker Service-Center seit Jahren blinde Arbeitnehmer angestellt. Die Branche, die in MV 16 500 Beschäftigte in 100 Centern zählt, wachse rasant und suche dringend Arbeitskräfte, bestätigte der Verband Telemarketinginitiative (TMI) in Schwerin.

"Spezielle Computerarbeitsplätze für blinde oder behinderte Menschen gibt es bereits in vielen Service-Centern", so eine Verbandsmitarbeiterin. "Diese Zielgruppe wird angesichts der Fachkräftesuche künftig stärker Berücksichtigung finden." Viele Firmen, Versicherungen oder Verwaltungen würden Büroarbeiten und Kundenkommunikation in Service- oder Call-Center auslagern. Gerade der telefonische oder Internet-Kontakt zu Kunden und Lieferanten sei ein weites Arbeitsfeld für Menschen mit Handicap. Gute Beschäftigungschancen gibt es laut Vereinigung der Unternehmensverbände auch in der Gesundheitswirtschaft. Insbesondere Physiotherapie-Praxen und Wellness-Hotels beschäftigen auch blinde Mitarbeiter, wie der Verbandssprecher sagte.

Laut Sozialministerium erhalten in Mecklenburg-Vorpommern fast 4250 Menschen Landesblindengeld. Die Geldleistung liege monatlich zwischen 107 und 430 Euro für selbstständig lebende Erwachsene, erklärte ein Sprecher. Der Landes-Bürgerbeauftragte Matthias Crone allerdings kritisierte die oft viele Monate lange Verfahrensdauer der Versorgungsämter bis zur Anerkennung eines Anspruchs auf Blindengeld.

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