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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 14:21 Uhr

Fachkräfte werden Mangelware

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erstellt am 20.Dez.2011 | 10:57 Uhr

Köln/Schwerin | Wohl dem, der heute viele Kinder bekommt - er mag darunter wenigstens eines finden, das im Alter seine Betreuung und Pflege übernimmt. Denn wer auf die Hilfe Fremder angewiesen ist, geht schweren Zeiten entgegen: In keinem anderen Bereich wird der demografische Wandel so tiefe Spuren hinterlassen wie auf dem Pflegesektor. Denn während immer mehr Menschen ein immer höheres Lebensalter erreichen, gibt es immer weniger Erwerbsfähige, die sie betreuen können. Das wird in keinem anderen Bundesland so deutlich wie in Mecklenburg-Vorpommern.

Einer Analyse des Sozialverbandes VdK zufolge wird sich hier einerseits die Zahl der über 75-Jährigen von 134 383 im Jahr 2007 auf 270 178 im Jahr 2030 verdoppeln. Parallel dazu wird im gleichen Zeitraum die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren um 34 Prozent sinken - von 974 432 auf 642 238. Standen im Jahr 2007 also einem über 75-Jährigen 7,25 erwerbsfähige Einwohner gegenüber, werden es 2030 nur noch 2,37 sein. Dadurch wachse das Risiko, dass Kranke und Pflegebedürftige nicht mehr fachgerecht versorgt werden können, weil es nicht mehr genug qualifiziertes Personal gibt, resümiert der Sozialverband.

Dass immer weniger Frauen in Mecklenburg-Vorpommern leben - waren es 2007 noch 465 756 im Alter zwischen 20 und 60, werden es 2030 nur noch rund 308 000 sein - erschwert die Situation. Denn einerseits sind Pflegeberufe Frauenberufe, andererseits sind es auch im privaten Bereich in erster Linie Frauen, die Angehörige pflegen.

Derzeit werden nach einer Erhebung der Krankenkasse DAK 72 Prozent der Pflegebedürftigen in MV zu Hause versorgt, entweder durch einen Pflegedienst oder durch Angehörige. Fehlendes Personal im Pflegesektor und zunehmend überlastete Angehörige seien daher zentrale Probleme, die stärker angegangen werden müssten, fordert DAK-Landeschefin Regina Schulz.

Eine Forderung, die nicht allein auf unser Bundesland beschränkt bleibt. Einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zufolge werden bereits bis 2020 - also in den kommenden neun Jahren - in Deutschland etwa 220 000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte gebraucht. Sowohl im stationären Bereich - das IW geht von einem bis 2020 um ein Drittel steigenden Bedarf an Pflegeheimplätzen aus - als auch bei der ambulanten Pflege wird die Nachfrage steigen.

Dabei fällt es Pflegeeinrichtungen schon heute zunehmend schwerer, qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Dem IW zufolge arbeiten zurzeit in der Branche 970 000 Menschen - weil etliche davon in Teilzeit beschäftigt sind, besetzen sie zusammen 680 000 Vollzeitstellen. 2,5 Millionen Pflegebedürftige werden von ihnen versorgt.

Schon heute sind Pflegekräfte Mangelware, bedauert der Bundesvernband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA), der die Studie in Auftrag gegeben hat.

Der Arbeitsmarkt für qualifiziertes Personal sei leergefegt, auf drei freie Stellen käme ein Bewerber. Wer jetzt schon in der Pflege arbeite, sei deshalb einer chronischen Überbelastung ausgesetzt, die sich auch auf die Qualität der Pflege auswirke, warnt der Verband.

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