Medizin : Facharzttermine nicht gefragt?

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Die Bilanz der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung in MV fällt ernüchternd aus – doch sie ist auch nur eine Seite der Medaille.

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27. Januar 2018, 05:00 Uhr

Glaubt man der gestern veröffentlichten Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Mecklenburg-Vorpommerns, sind Wartezeiten auf Facharzttermine hierzulande kein Problem: Lediglich 854 Patientinnen und Patienten wurde in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres durch die bei der KV angesiedelte Servicestelle ein Termin bei einem Facharzt oder Psychotherapeuten vermittelt, weil sie selbst zeitnah keinen bekommen konnten. Ein Jahr zuvor, zwischen 23. Februar und 31. Dezember 2016, wurden 830 Termine vermittelt. Das entspricht, so die KV, einer Quote von gerade einmal 0,015 Prozent aller Überweisungen in diesem Zeitraum im Land. Am meisten nachgefragt waren Termine bei Neurologen, Psychiatern, Augenärzten und im vergangenen Jahr auch bei fachärztlichen Internisten sowie bei Psychotherapeuten. Dabei waren es laut KV nicht etwa in erster Linie Menschen aus dem ländlichen Raum, die Probleme damit hatten, einen Facharzttermin zu bekommen, sondern vielmehr Bewohner der größeren Städte im Land.

Für die Ärztevereinigung ist deshalb klar, dass die vor knapp zwei Jahren auf Druck der Politik eingeführten Terminservicestellen überflüssig sind. „Es werden Gelder gebunden, die in der Patientenversorgung besser angelegt wären“, heißt es in einer Stellungnahme. Schließlich gebe es „das im Land bewährte A- und B-Überweisungsverfahren“, mit dem Patienten in wirklich dringlichen Fällen „schneller und effektiver als in der vom Gesetzgeber geforderten Vier-Wochen-Frist ambulant versorgt werden können“.

Bei diesem Verfahren bewertet der Arzt nach einer Untersuchung des Patienten die medizinische Dringlichkeit einer Überweisung. Auf dem Formular macht er dann kenntlich, ob die weitere Behandlung innerhalb eines Werktages – das wäre die A-Überweisung – oder binnen einer Woche – das wäre die B-Überweisung – erfolgen muss.

Das Gros der Patienten hat allerdings, obwohl es sie schon seit Jahren gibt, von diesen A- und B-Überweisungen noch nie gehört – und so mancher niedergelassene Arzt anscheinend auch nicht. Stattdessen beklagen sich viele Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor darüber, wochen- oder schlimmstenfalls sogar monatelang auf Termine bei bestimmten Fachärzten warten zu müssen.

Woher rührt diese Diskrepanz? Zum einen ganz sicher daher, dass Ärzte und Patienten die Dringlichkeit einer Weiterbehandlung ganz unterschiedlich einschätzen. Was aus medizinischer Sicht nicht dringlich ist, wirkt für einen Kranken mit unklarer Diagnose dennoch oft so bedrohlich, dass er an nichts anderes mehr denken kann, bis er beispielsweise durch eine weiterführende Untersuchung im Computer- oder Magnetresonanztomografen Gewissheit erhält.

Nur die medizinische und nicht die gefühlte Dringlichkeit ist letztlich aber Voraussetzung dafür, dass die Terminservicestellen, die es in allen Bundesländern gibt, überhaupt aktiv werden dürfen. So gab es nach Angaben der KV auch hierzulande deutlich mehr Anfragen nach Facharztterminen, als letztlich erfolgreich bearbeitet werden konnten. Im Jahr 2016 erfüllten von 1086 eingegangenen Vermittlungswünschen lediglich 565 die gesetzlich vorgegebenen Bedingungen für eine Terminvermittlung zum Facharzt, sprich: Der bislang behandelnde Arzt hatte bestätigt, dass die Überweisung dringlich war. Bis Ende September 2017 traf das auf gerade einmal 568 von 2620 Anrufen zu. Dass die Zahl der organisierten Termine letztlich doch höher war, lag laut KV daran, dass auch über die gesetzlichen Vorgaben hinaus Termine vermittelt wurden.

Nur ganz selten konnte gar kein niedergelassener Weiterbehandler gefunden werden: 2016 wurden daraufhin zwölf, in den ersten drei Quartalen 2017 neun Patienten an Krankenhäuser vermittelt.

17 Prozent der Patienten aus MV, denen im ersten Halbjahr 2017 durch die Servicestelle ein Termin vermittelt wurde, hielten diesen übrigens später nicht ein. Dass die KV darüber nicht erfreut ist, ist verständlich. Es zeigt aber auch einen weiteren Schwachpunkt im Konstrukt: Anrufer können sich nämlich nicht wünschen, wohin sie überwiesen werden möchten. Deshalb kann es auch passieren, dass man aus dem Schweriner Umland nach Pasewalk geschickt wird. Und um das auf sich zu nehmen, muss es einem wirklich sehr, sehr schlecht gehen…

Die Terminservicestelle der KV ist montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 03 85/7 43 18 77 zu erreichen.

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