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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 14:12 Uhr

Fachärzte sind Mangelware in Rostock

vom

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2012 | 08:32 Uhr

Rostock | Monatelange Wartezeiten, weite Wege oder gar kein Arzttermin: Wenn es nach Bürgerschaftsmitglied Ralf Grabow (parteilos) geht, muss die ärztliche Versorgung in Rostocks Stadtgebiet dringend verbessert werden. Er fordert Mietnachlass für junge Ärzte in städtischen Ärztehäusern oder die Vergabe von Stipendien. Jetzt soll sich die Bürgerschaft mit den Vorschlägen beschäftigen. Grabow hat deswegen einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, der die ärztliche Versorgung im Stadtgebiet sichern soll.

Patientenzahl ist begrenzt

Augenarzt Norbert Schulz kennt das Problem des Ärztemangels. In seiner Gemeinschaftspraxis in der Innenstadt arbeiten insgesamt acht Augenärzte. Auf jeden kommen im Quartal bis zu 1400 Patienten. "Eine gute Logistik ist da besonders wichtig", so Schulz. Besonders schwierig für die Augenärzte in Rostock: Nicht nur die Bewohner der Hansestadt müssen behandelt werden, sondern auch Patienten aus dem Umland, da es einige Spezialbehandlungen nur hier gibt. Generell sei Rostock mit 18 Augenärzten gut aufgestellt, so Schulz. Das sei aber auch Verdienst der Ärzte selbst. Um die Versorgung seiner Patienten weiterhin zu verbessern, baut er mit seinen Kollegen derzeit eine neue Praxis inklusive Augenklinik am Jakobiplatz. "Das ist notwendig, um die Behandlung abzusichern", so der Arzt.

Der Kalender in Schulz’ Praxis ist derzeit bis Mitte Juni gefüllt. "Wir versuchen, dass unsere Patienten nie länger als drei Monate auf einen Termin warten müssen. Akute Fälle kommen schnell ran", so der Facharzt für Augenheilkunde. Die Arzthelferin Steffi Fahlhaber vergibt die Termine in Schulz’ Praxis. "Jeden Tag sind Patienten darüber verärgert, wenn sie nicht sofort herkommen können", sagt sie. Doch so sei das nun mal bei Fachärzten. Dass einige Kollegen gar keine neuen Patienten in ihrer Sprechstunde mehr aufnehmen, kann Schulz nicht verstehen. "Zwar erlaubt dies die Kassenärztliche Vereinigung, für mich kommt so etwas aber nicht infrage." Doch auch in seiner Praxis könnten nicht unendlich viele Patienten aufgenommen werden, denn das Honorar für die Ärzte ist begrenzt. "Wir müssen schließlich auch wirtschaftlich denken."

Dass Praxen immer mehr mit Kürzungen zu tun haben und deswegen wie Unternehmen agieren, ist auch Grabow bewusst. Er fordert deshalb die Stadt auf, die Ansiedlung für neue und junge Ärzte in Rostock attraktiv zu machen. Vor allem sollte auf Stadtteile wie Schmarl oder Lichtenhagen geachtet werden. Hier müssten vor allem Eltern weite Wege in Kauf nehmen, um Kinderärzte zu erreichen. Bevor die Bürgerschaft am 4. April über Grabows Antrag entscheidet, bespricht der Sozial- und Gesundheitsausschuss am kommenden Mittwoch das Problem. Für den Vorsitzenden Dr. Wolfgang Nitzsche (Linke) ist jetzt schon klar, dass der Antrag so nicht umsetzbar ist. "So etwas kann eine Stadt nicht alleine stemmen", sagt er. Nur durch Zusammenarbeit von Kliniken und der Kassenärztlichen Vereinigung könne die Versorgung gesichert werden. Er will nun konkrete Zahlen sehen, um sich ein Bild zu machen.


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