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Geschmackloses T-Shirt : „Facebook"-Richter im Zeugenstand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anträge lassen dritten Prozessanlauf schleppend verlaufen

Vier Verteidiger, drei Richter, zwei Schöffen, bislang 31 Prozesstage – und mindestens 16 weitere werden folgen: Der dritte Anlauf im Verfahren um erpresserischen Menschenraub gegen zwei 35 und 27 Jahre alte Männer am Landgericht Stralsund verläuft schleppend. Gestern ist von der Strafkammer nun jener Rostocker Richter als Zeuge gehört worden, wegen dessen Verhalten der Bundesgerichtshof die gegen die Männer verhängten mehrjährigen Haftstrafen im Januar 2016 aufgehoben hatte.

Der Vorsitzende Richter des zweiten Verfahrens hatte bei Facebook ein umstrittenes Bild gepostet, auf dem er in einem T-Shirt mit dem Schriftzug „Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause. JVA“ zu sehen war.

Die Verteidiger gingen erfolgreich in Revision: Der BGH begründete die Aufhebung des Urteils damit, dass der Facebook-Eintrag eine innere Haltung des Richters dokumentiere, die annehmen lasse, dass dieser Spaß an der Verhängung hoher Strafen habe und sich über die Angeklagten lustig gemacht habe.

Die Strafkammer des Stralsunder Landgerichts verhandelt nun seit dem 20. April im dritten Anlauf wegen erpresserischen Menschenraubes. Die beiden Angeklagten, die im Jahr 2012 den Besitzer einer Clubgasstätte in Tarnow (Landkreis Rostock) entführt, verprügelt und von ihm 15 000 Euro gefordert haben sollen, schweigen seitdem zu dem Vorfall. Rund 40 Anträge haben die Pflichtverteidiger inzwischen zu Protokoll gegeben. Die vier Anwälte nutzen die Klaviatur der Strafverteidigung,

Licht in die Vorgänge sollte gestern nun jener Facebook-Richter bringen, von dem die beiden Männer 2015 zu Haftstrafen von acht beziehungsweise fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt worden waren. Noch bevor der 58-Jährige in den Zeugenstand trat, legte die Verteidigung Anträge vor, Angaben eines Hauptbelastungszeugen aus dem ersten und zweiten Prozess nicht zu verwerten.

Jener Zeuge war bei der Entführung dabei und ist inzwischen deswegen zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Anders als die beiden Angeklagten hatte er im Verfahren ausgesagt und seine beiden mutmaßlichen Mittäter später belastet, im dritten Prozess vor dem Stralsunder Landgericht aber geschwiegen. Genau zu jenem Zeugen wurde nun der Facebook-Richter befragt.

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