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Outlet-Center in Wittenburg : Fabrikverkauf gegen Landesrecht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einzelhändler wehren sich gegen die Pläne eines Outlet-Centers in Wittenburg. Investoren drängen auf eine Sondergenehmigung

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2016 | 06:00 Uhr

Einkaufsspaß auf der grünen Wiese kontra Kundenzulauf in der Innenstadt: Das von der holländischen Van der Valk-Gruppe im mecklenburgischen Wittenburg geplante Outlet-Center wirft alle Landesplanungen in MV über den Haufen und bringt den Einzelhandel auf. 80 Geschäfte, dazu ein Feriendorf, ein Spaßbad nahe der Skihalle – Wittenburg Village sorgt für Streit der Regionen. Der Zustimmung von Wittenburgs Kommunalparlament haben Schwerins Stadtvertreter Widerspruch gegen die Pläne entgegengesetzt. Jetzt formiert sich auch der Widerstand der Einzelhändler in MV gegen eines der größten Einkaufszentren in der Provinz.

Die Bedenken wiegen schwer: 12 000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche auf dem flachen Land – „das hat nichts mit Innenstadtförderung zu tun“, lehnt Kay-Uwe Teetz, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord die Pläne ab. In den Geschäften in Hagenow, in Wittenburg in Schwerin – der Verkauf im Outlet-Center werde „mit Sicherheit Auswirkungen“ auf die Einzelhändler in den Orten haben. Jeder, der in Wittenburg kaufe, kaufe woanders erstmal nicht mehr, meinte Teetz. Bislang seien in Outlet-Centern vornehmlich Vorjahres-Kollektionen, Überschussproduktionen oder Auslaufmodelle angeboten worden. Inzwischen habe aber ein schnellerer Warenwechsel dazu geführt, dass die bisher klassische Vorjahres-Ware nicht mehr angeboten werde und so andere Händler um ihren Umsatz gebracht würden. Teetz: Das Projekt stehe klar gegen geltendes Recht.

Die Kritik lassen Investoren und Wittenburgs Stadtvertreter kaum gelten. Sie werben vor allem mit den Entwicklungschancen für eine ganze Region durch das gemeinsame Einkaufs- und Ferienerlebnis. Seen, Shoppen, Spaß – das neue Tourismuskonzept Westmecklenburgs. Mit bis zu 1,5 Millionen Besuchern rechnen Planer und Investoren im Jahr. Mit großen Besucherströmen hatte die Skihalle Wittenburg einst auch gerechnet – und wurde enttäuscht. Die Fehler der Vergangenheit könnten sich wiederholen: Auch die Skihalle ist seinerzeit gegen alle Kritik gebaut worden, obwohl Branchenkenner vor der Nähe zu der nur 100 Kilometer entfernt liegenden Skihalle in Bispingen gewarnt hatten. Die folgenden Auslastungsprobleme waren absehbar, die Pleite für Wittenburg folgte. Und auch ein Outlet-Center in Wittenburg müsste sich die Kunden mit den von Hamburg ebenfalls nur etwa 75 Kilometer entfernt liegenden Outlet-Centern in Soltau und Neumünster teilen.

Die Investoren stört das nicht: Sie erhöhen den Druck – ohne Outlet-Center kein Feriendorf und Spaßbad, so ein Unternehmenssprecher. Und so drängen die Kapitalgeber auf eine Sondergenehmigung des Landes, mit der bisherige Raumplanungen ausgehebelt und Projekte auch gegen bestehende Grundsätze durchgedrückt werden können. Das treibt Landesplaner in Erklärungsnot. Denn der neue Einkaufstempel steht klar gegen das Landesentwicklungsprogramm, das großflächigen Einzelhandel in den Innenstädten konzentriert. Danach dürfen in MV Verkaufsflächen mit mehr als 5000 Quadratmeter nur noch in Oberzentren gebaut werden – dazu gehört Wittenburg nicht. An den Planungsgrundsätzen habe sich nichts geändert, heißt es im Raumordnungsministerium von Energieminister Christian Pegel (SPD). Das derzeit laufende Zielabweichungsverfahren soll auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien das Für und Wider eines Outlet-Centers abwägen, teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Wittenburger Fabrikverkauf – der dritte Versuch. Eine Ministererlaubnis für das Projekt wäre stark erklärungsbedürftig. Nach einem ähnlichen Projekt im Jahr 2000, einem weiteren 2007 will nun die Van der Valk-Gruppe ab 2018 Markenware zu Schnäppchenpreisen auf den Verkaufstresen bringen. Im Jahr 2000 noch hatten umliegende Kommunen, der Einzelhandel, Kammern und Landesplaner Bedenken angemeldet. Und: Vor fünf Jahren hatte Pegels Vorgänger und Parteifreund, Ex-Raumordnungsminister Volker Schlotmann, selbst die Erweiterung des Strelaparks in Stralsund durchfallen lassen.

 

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