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Nach missglücktem Bank-Coup landen vier Männer in Schwerin vor Gericht : Explosive Tat blieb ohne Sprengkraft

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Diese Nacht hatten sich die vier Jungs anders vorgestellt. Ein großer Coup sollte es werden, der sie schlagartig von allen Geldsorgen befreit. Sturmmasken hatten sie sich besorgt und alles, was man sonst so braucht.

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erstellt am 07.Nov.2013 | 11:57 Uhr

Schwerin | Diese Nacht hatten sich die vier Jungs definitiv anders vorgestellt. Ein großer Coup sollte es werden, der sie schlagartig von allen Geldsorgen befreit. Sturmmasken hatten sie sich besorgt, Gasflaschen und alles, was man sonst so braucht, wenn man einen Geldautomaten in die Luft sprengen und sich die Taschen mit dem wertvollen Inhalt füllen will. Eine Bank mitten in Neukloster war Objekt ihrer Begierde. Mitten in der Nacht fuhren sie dorthin, mit zwei Autos, von Rostock aus. Mit klarer Aufgabenteilung: Zwei standen Schmiere. Die anderen beiden betraten kurz nach Mitternacht den erleuchteten Vorraum der Bank und machten sich ans Werk. Die Überwachungskameras hatten sie vorsorglich mit schwarzer Farbe übersprüht. Sie ahnten nicht, dass mit ihnen bereits ein Sonderkommando der Polizei angereist war.

Der Zugriff erfolgte für das Gauner-Quartett offenbar überraschend. Vermummte Polizisten, Maschinenpistolen, quietschende Reifen, Schreie. Die Beamten gingen nicht gerade zimperlich zur Sache, berichten die vier Männer unisono. Seit gestern sitzen sie im Schweriner Landgericht auf der Anklagebank. Versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion wirft ihnen der Staatsanwalt vor. Als Bande sollen sie vorgegangen sein, was zu einer höheren Strafe führen könnte. "Ich weiß auch nicht, warum", sagt der 25-jährige M. Er kommt eigenen Angaben nach aus "gutem Elternhaus", hat einen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung in der Kfz-Branche. Die Antwort liefert er selbst: Geld habe er gebraucht, um Schulden aus Drogengeschäften zu begleichen. Deshalb waren ihm die Ermittler schon länger auf der Spur, hörten seine Telefongespräche mit und ließen schließlich die Handschellen klicken, in jener Tatnacht im März 2011.

Zweieinhalb lange Jahre vergehen, bis die heute 25- bis 28-Jährigen endlich vor Gericht landen. Aus der Untersuchungshaft sind sie längst entlassen. Mit Überlastung der ursprünglich verantwortlichen Strafkammer begründet das Landgericht die lange Verfahrensdauer. "Zeitnah wäre das Verfahren explosiver", sagt der nun zuständige Vorsitzende Richter, Otmar Fandel, in Anspielung auf die Tat. Das Gericht spielt mit offenen Karten: Alle vier waren von der Festnahme an geständig. Schließlich wurden sie ja auf frischer Tat ertappt. Und schließlich gibt es die Überwachungsprotokolle der Polizei. Keine Beute, die lange Zeit, die seit der Tat vergangen ist - und explodiert ist der Geldautomat auch nicht, zählt das Gericht Pluspunkte auf und stellt schon zu Prozessbeginn für zwei Angeklagte Bewährungsstrafen in Aussicht. Nicht für M., der berichtet, er habe die anderen mehr oder weniger zu dem Ganovenstück verleitet. Auch nicht für seinen Kumpel E.. Beide sind inzwischen wegen Drogendelikten verurteilt. Diese Strafen werden vermutlich in das neue Urteil einbezogen. E. kannte sich als ausgebildeter Schweißer offenbar am besten mit der Sprengtechnik aus. Ein einfaches Prozedere, das sie sich aus einem "Wissenschaftsmagazin" im Privat-TV abgeschaut hätten.

Das Gericht muss nun noch Detailfragen klären. Zum Beispiel, ob die beiden Haupttäter tatsächlich, wie sie behaupten, den Sprengversuch aus plötzlichen Gewissensbissen abbrachen und vor die Tür rannten, wo sie schließlich festgenommen wurden. Oder ob sie sich doch eher beobachtet fühlten. Und wie P. zu bestrafen ist, der Schmiere stehen sollte, dann aber die Wartezeit nutzte, um von einem Bagger 150 Liter Diesel abzuzapfen.

"Pech, dass die Polizei von Anfang an da war", sagt der Richter. Vielleicht auch Glück, was die Strafen angeht. Der Prozess wird am 27. November fortgesetzt und vermutlich auch zu Ende gehen.

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