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Jugendgewalt : Experte: Strafen schrecken nicht ab

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwölfjährige wird in Schwerin von Jugendlichen verprügelt und ausgeraubt / Heranwachsende erproben Grenzen

svz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 08:02 Uhr

Ist die Jugend in Mecklenburg-Vorpommern gewaltbereiter geworden? In der Landeshauptstadt erwecken jüngste Vorfälle diesen Eindruck: Am Montagabend ist ein zwölfjähriges Mädchen im Parkhaus eines Einkaufszentrums von anderen Jugendlichen geschlagen und ausgeraubt worden. Ebenfalls am Montag hatte in einem anderen Stadtteil ein elfjähriger Junge einen Zehnjährigen in einen Gully eingesperrt. Immer wieder machen im Land Vorfälle Schlagzeilen, bei denen schon Kinder und Jugendliche mit teils hemmungsloser Gewalt auffallen.

„Kinder und Jugendliche loten ständig ihre Grenzen aus und versuchen sich zu beweisen, indem sie vermeintlich Schwächere drangsalieren“, erklärt Rainer Becker, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. Der Ex-Polizist und Hochschullehrer aus Güstrow meint, dass Jugendliche nicht gewaltbereiter geworden sind, sondern ihnen nun andere Mittel als früher zur Verfügung stehen. Zudem schrecke die Bestrafung jungen Menschen oft nicht genug ab. „Insbesondere Erwachsene müssen auch mit strafunmündigen Kindern konsequenter sein, um ihnen den richtigen Weg zu zeigen.“

Der Sprecher des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, Andreas Scholz , wies darauf hin, dass auch vermeintlich unbedeutende Vorfälle angezeigt werden sollten. Erst dann könne die Polizei handeln, etwa das direkte Gespräch mit Eltern oder Lehrern führen.

Die amtliche Kriminalstatistik verzeichnete 2013 insgesamt 1445 Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Davon waren in etwa 104 Fällen Kinder bis 14 Jahre als Opfer betroffen, in etwa 156 Fällen Jugendliche bis 18 Jahre. Gegenüber dem Vorjahr war das kein Anstieg. Die Dunkelziffer ist in der Regel deutlich höher. Die Täter kommen meist aus derselben Altersgruppe.

Nach Ansicht von Becker ist bei Gewalttaten die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Jugendlichen kennen. „Dann ist dies eher als Teil eskalierte Form von Mobbing zu bewerten“, meint der Experte. Das bestätigt auch Olaf Meyer, Schulleiter der Hundertwasser Gesamtschule in Rostock. Mobbing entwickle durch Internet immer neue Formen. Bereits Sechstklässler benutzten Soziale Netzwerke für Hänseleien und Beleidigungen von Mitschülern.
 

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