Betrugsprozess : Ex-Moderator legt Geständnis ab

Der frühere Radiomoderator bei Prozessbeginn im Februar.
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Der frühere Radiomoderator bei Prozessbeginn im Februar.

Mit manipulierten Gewinnspielen bei einem Radiosender richtete der 42-Jährige hohen Schaden an

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08. März 2016, 21:00 Uhr

Der einstige Morgen-Show-Moderator von Ostseewelle Hitradio MV, Marcus J., hat gestanden, Gewinnspiele seines Senders zu seinen eigenen Gunsten manipuliert zu haben. Vor einer Woche hatte sein mitangeklagter Komplize und ehemaliger Freund Andre B. vor dem Landgericht Rostock sich selbst und J. schwer belastet. Gestern stellte Marcus J. seine Sicht der Dinge dar.

Die Geständnisse unterscheiden sich in zwei wichtigen Punkten. Der 42-jährige Marcus J. behauptete, die ergaunerten Radio-Spiel-Gewinne – es sollen rund 60 000 Euro gewesen sein – habe er sich mit B. quasi brüderlich teilen wollen. Dann aber habe André B. immer wieder einen Großteil der „Beute“ für sich behalten. André B. (38) hingegen gab an, jeweils nur einen Bruchteil von Marcus J. abbekommen zu haben. Er sei damals dem prominenten Radio-Mann quasi „hörig“ und mit wenig Geld zufrieden gewesen. Laut B. hat auch Marcus J. die Idee gehabt, den eigenen Sender zu betrügen. Der Ex-Radio-Mann beteuerte, der Clou sei von beiden gleichermaßen ausgeheckt worden.

André B. war es, so Marcus J., der unter seinen Bekannten Teilnehmer für die Gewinnspiele der Ostseewelle aussuchte. Sie wurden so instruiert, dass der Moderator sie am Studio-Telefon als fingierte „Gewinner“ auswählen konnte. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den beiden Angeklagten zehn solcher manipulierten Spiele zwischen 2008 und 2010 vor. Sie tricksten also keineswegs bei jeder Gewinnspielrunde. Die „Gewinner“ konnten angeblich rund ein Viertel des quasi geschenkten Geldes für sich behalten. Den Rest holte B. bei ihnen ab.

Er bedauere außerordentlich, sich „dazu hinreißen lassen zu haben“, beteuerte der frühere „Morning-Man“ der Ostseewelle. Marcus J. ließ sein Geständnis von seinem Verteidiger verlesen. Fragen der Richter und der Staatsanwältin will er erst in der kommenden Woche schriftlich beantworten. Allerdings machte er den Eindruck, als hätte er am liebsten gestern bereits mehr Details seiner Sicht der Dinge präsentiert, wenn sein Verteidiger ihn nicht gebremst hätte. Denn an Selbstbewusstsein mangelt es den Angeklagten Marcus J. offenbar nicht.

In seinem Geständnis gab er auch den zweiten Vorwurf der Staatsanwaltschaft zu, seine wahren Einkünfte beim Privatradio über Jahre verschleiert zu haben. Dadurch brachte er zahlreiche private Gläubiger um ihr Geld. Marcus J. war mit rund 520 000 Euro verschuldet. Wie er selbst zugab, wollte er dennoch weiter auf großem Fuße leben. Also ließ er sich von seiner Freundin bei deren Firma anstellen, wo er ein geringes Gehalt einsteckte, an das seine Gläubiger nicht herankamen. Sein pompöses Eigenheim und die teuren Autos finanzierte er vom Firmen-Konto. Allerdings versuchte er gleichzeitig, durch eine sogenannte Privatinsolvenz sich auf Dauer seiner Schulden zu entledigen. Als der Trick aufflog, kamen gleich mehrere Ermittlungen gegen Marcus J. ins Rollen.

Ende 2012 wurde er wegen Kindesmissbrauchs zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Er hatte zwischen 2005 und 2008 ein anfangs zwölf Jahre altes Mädchen wiederholt sexuell missbraucht. Er lernte das Mädchen kennen, als sie bei der Ostseewelle einen Besuch im Studio gewonnen hatte.

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