Yachthafen Hohen Wieschendorf : Ex-Marina-Investor erneut vor Gericht

Die leerstehenden Ferienwohnungen in der Marina Hohen Wieschendorf haben seit Ende vergangenen Jahres einen neuen Besitzer.Thomas Volgmann
Die leerstehenden Ferienwohnungen in der Marina Hohen Wieschendorf haben seit Ende vergangenen Jahres einen neuen Besitzer.Thomas Volgmann

Der Lübecker Geschäftsmann Michael Veit Iwanschitz hat schon bessere Zeiten gesehen. Zeiten, in denen dem Yachthafen-Investor der rote Teppich ausgerollt wurde. Nun wird er froh sein, wenn er nicht ins Gefängnis muss.

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31. Mai 2012, 10:11 Uhr

Schwerin | Der Lübecker Geschäftsmann Michael Veit Iwanschitz hat schon bessere Zeiten gesehen. Zeiten, in denen dem Yachthafen-Investor von Hohen Wieschendorf der rote Teppich ausgerollt wurde in Mecklenburg-Vorpommern. Gerollt werden seit sieben Jahren nur noch Gerichtsakten für ihn - von Schwerin nach Rostock und nun wieder zurück nach Schwerin. Ins Landgericht, in dem 2005 die juristische Aufarbeitung des Falles Iwanschitz begann. Hier sitzt der 60-Jährige von heute an erneut wegen Subventionsbetruges auf der Anklagebank. Am Ende wird er froh sein, wenn er nicht auf seine alten Tage ins Gefängnis muss. Aber der Reihe nach.

Es war Anfang 2004, als der damalige Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) auf der weltgrößten Wassersportmesse in Düsseldorf ein großzügiges Versprechen abgab. Entlang der Ostsee-Küste Mecklenburg-Vorpommerns sollte ein nahezu lückenloses Netz von modernen Marinas und Wasserrastplätzen entstehen - ein Eldorado für anspruchsvolle Liebhaber des Wassersportes. Bei der Gelegenheit kündigte der Minister die Eröffnung der Marina Hohen Wieschendorf, idyllisch gelegen in der Wismarbucht, noch für die Saison 2004 an. Vorschnell, wie sich herausstellte. Die Marina war zwar in der Tat fast fertig - rund 80 Ferienwohnungen direkt am Strand und der Hafen harrten der baldigen Nutzung. Doch dann fiel einem Finanzbeamten auf, dass es bei der Verwendung der Fördermittel nicht mit rechten Dingen zuging. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. 2005 fand sich Iwanschitz - übrigens vorbestraft als Subventionsbetrüger - mit einem Mitarbeiter auf der Anklagebank wieder.

Im Prozess vor dem Schweriner Landgericht musste sich auch Minister Ebnet als Zeuge eine hochnotpeinliche Befragung gefallen lassen. Denn Iwanschitz hatte behauptet, im Einverständnis mit dem Ministerium gehandelt zu haben. Das 15-Millionen-Euro-Projekt mit 120 Liegeplätzen, Restaurant, Tiefgarage und rund 400 Betten sei zwar auf Wohlwollen im Ministerium gestoßen, sagte der Minister. Aber vor allem wegen der Marina und der Tiefgarage.

Letztere hatte Iwanschitz nie gebaut. Stattdessen, so stellte das Gericht am Ende fest, sind Baustandberichte gefälscht worden und Fördermittel widerrechtlich in den Bau der Ferienwohnungen geflossen. Laut Gericht haben beide Angeklagte gemeinschaftlich gehandelt. Doch verurteilt wurde nur der Mitarbeiter - zu zwei Jahren auf Bewährung.

Der Prozess gegen Iwanschitz war nach gut einem Jahr geplatzt. Eine Amtsärztin hatte dem Angeklagten eine "schwere und fortschreitende Herzerkrankung" bescheinigt und ihn für verhandlungsunfähig erklärt.

Nun kann Iwanschitz wieder vor Gericht erscheinen, wenn auch nur etwa eine Stunde pro Prozesstag. Das Urteil ist bislang für Mitte Juni geplant. Er ist inzwischen sechs Jahre älter - und um einiges ärmer. Nach mehreren Zivilprozessen, bei denen ihn sein Wismarer Anwalt Hendrik Prahl vertrat, hat das Oberlandesgericht Rostock 2010 entschieden, dass er die 3,6 Millionen Euro Fördermittel wieder zurückzahlen muss.

Das Land hat laut Ministerium inzwischen fünf Gemälde aus dem Privatbesitz des Kaufmanns beschlagnahmt, darunter je eines von Marc Chagall und Andy Warhol. Sie sollen im Juni in Hamburg versteigert werden. Iwanschitz` Lübecker Villa kam schon im März unter den Hammer. Und für sein Hotel in der Hansestadt ist die Zwangsversteigerung bereits angeordnet.

Auf bessere Zeiten dagegen kann der Yachthafen Hohen Wieschendorf hoffen. Nach sieben Jahren Dornröschenschlaf und drei missglückten Zwangsversteigerungen hatte die Immobilie Ende 2011 für rund drei Millionen Euro einen neuen Besitzer gefunden. Die eigens gegründete HoWiDo GmbH will rund zehn Millionen Euro investieren, die Ferienwohnungen fertig stellen und dann privatisieren. Anfang Mai luden die Investoren schon mal zur Eröffnungsfeier der Marina.

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