Geständnis im Prozess : Ex-Freundin und Begleiter aus Eifersucht niedergestochen

Der Prozess findet in Neubrandenburg statt.
Der Prozess findet in Neubrandenburg statt.

Ein lauer Maiabend endet in Neubrandenburg blutig. Aus Eifersucht sticht ein 29-Jähriger an einem Döner-Lokal einen Bekannten und die Ex-Freundin nieder. Vor Gericht legt der Mann ein Geständnis ab.

svz.de von
09. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Im Prozess um blutige Messerattacken auf seine Ex-Freundin und deren Begleiter in Neubrandenburg hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt - eine Tötungsabsicht aber bestritten. „Ich habe etwas getan, was ich nicht hätte machen sollen“, sagte der 29-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Neubrandenburg. Er habe sich am 18. Mai in Neubrandenburg das Messer aus dem Döner-Lokal geholt, in dem er sonst arbeitete, dann erst auf den 31-jährigen Bekannten und die ehemalige Freundin eingestochen, in deren Oberkörper das Messer steckenblieb.

Beide Opfer wurden lebensgefährlich verletzt und überlebten dank Notoperationen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Asylbewerber aus der Türkei zweifachen versuchten Mord vor. Motiv soll Eifersucht gewesen sein.

Anfangs ging es um eine Scheinehe

Der Angeklagte hält sich seit Ende 2016 in Deutschland auf, anfangs mit einem Besuchervisum, wie er erklärte. Seit September 2017 seien er und die 38 Jahre alte Neubrandenburgerin ein Paar gewesen. „Anfangs wollte ich sie heiraten, um meine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen“, erklärte der 29-Jährige, der im Kreis Teltow-Fläming (Brandenburg) gemeldet ist. Er habe ihr Geld für eine Scheinehe zahlen wollen. Sie habe den Heiratsantrag auch angenommen. Später habe er sich in die Deutsche verliebt.

Als es im Dezember 2017 zu einem Streit kam, habe er seiner Freundin eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen. Dann sei er bei ihr ausgezogen, habe aber noch ein paar Monate den Kontakt gehalten. Ab Februar 2018 sei es aber vorbei gewesen. In der Zeit sei der Neffe eines Bekannten gekommen, der einen sehr engen Kontakt zu der 38-Jährigen hatte und das „Freundschaft“ nannte.

Er wollte niemanden töten

Am 18. Mai kamen die Ex-Freundin des Angeklagten, ein gemeinsamer Bekannter, der 31-jährige Neffe und dessen 22 Jahre alte Freundin zu dem Döner-Laden am Rathaus. „Ich hatte ihn mehrfach per SMS gewarnt“, sagte der eifersüchtige Angeklagte. „Wir kommen beide aus der Türkei und es ist unerhört, das ein Türke einem anderen die Freundin ausspannt.“.

Er habe sich ein Messer mit einer 19,5 Zentimeter langen Klinge geholt. „Ich kann mir nicht mehr erklären, wie es dann zu den Stichen gekommen ist.“ Er habe zu einem Mitarbeiter noch gesagt: „Die Ehrenlosen sind wieder aufgetaucht.“ Die Opfer habe er aber nicht töten wollen: „Dann hätte ich vier oder fünf Mal zugestochen.“

Lebenslange Freiheitsstrafe droht

Nach dem Vorfall flüchtete der Angeklagte, rief aber später einen Bekannten an. Vor dessen Neubrandenburger Wohnung wartete die Polizei bereits und der 29-Jährige stellte sich. Im Prozess wurde zudem bekannt, dass sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde und er beim Verwaltungsgericht Potsdam dagegen klagt.

Ein Zeuge erklärte dem Richter, dass der Angeklagte den 31-Jährigen vorher per SMS bedroht habe. „Ich habe es gelesen und dachte, das ist eine tödliche Bedrohung“, sagte der Zeuge vor Gericht. Dem mutmaßlichen Täter droht lebenslange Freiheitsstrafe. Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. Dann sollen unter anderem weitere Zeugen und die Geschädigte, die als Nebenklägerin auftritt, gehört werden.

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