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Schweriner Schlossfestspiele : Ex-Elitesoldat wird König

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Niederländer Bastiaan Everink kämpfte während des Golfkrieges im Irak und ist jetzt ein weltweit gefragter Bariton

Mit seinen 1,95 Metern Größe und durchtrainiertem Körper ist Bastiaan Everink eine imposante Erscheinung auf der Bühne. Die kraftvolle Bariton-Stimme untermauert diesen Eindruck. Everink, der derzeit an der Deutschen Oper in Berlin engagiert ist und bei den Schlossfestspielen in Schwerin die Rolle des Nabucco übernimmt, war jedoch nicht immer Opernsänger.

„Ich war früher Soldat, genauer gesagt ein Elitesoldat“, erzählt der sympathische Holländer. Als Mitglied einer Spezialeinheit der niederländischen Streitkräfte, vergleichbar mit der deutschen GSG 9, habe er am erstem Golfkrieg 1990/91 teilgenommen und die multinationale Operation „desert storm“ mitgemacht. „Ich war ein guter Soldat, bin mehrfach ausgezeichnet worden und habe sogar ein persönliches Schreiben von unserem König erhalten“, berichtet Everink.

Doch irgendwann sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, das Gewehr an den Nagel zu hängen und etwas anderes zu machen. „Ich wollte unbedingt Opernsänger werden“, sagt Everink. Und wenn er sich ewas in den Kopf gesetzt habe, ziehe er das auch durch. So folgten neun Jahre Studium an den Musikhochschulen Enschede und Amsterdam. „Das war eine harte Zeit“ erinnert sich Bastiaan Everink. „Die anderen Studenten hatten alle schon umfangreiche Vorbildung, waren an Konservatorien oder Musikschulen. Ich aber fing ganz von vorn an, hatte nur meine Stimme und meinen Willen.“

In dieser schwierigen Zeit habe ihm seine Armeeausbildung geholfen, sagt der Ex-Soldat. „Ich habe gelernt, auch Extremsituationen zu meistern, in der Wüste und im Polargebiet zurechtzukommen, im Dschungel und im Gebirge. Und so habe ich mich dann auch beim Studium durchgekämpft: erfolgreich.“

Derzeit ist er an der Deutschen Oper Berlin engagiert, hat in Insbruck, Wiesbaden, Frankfurt, Mexiko-City und anderen Opernhäusern diverse Titelpartien gesungen. „Als ich die Einladung bekam, den Nabucco bei den Schlossfestspielen in Schwerin zu singen, habe ich sofort zugesagt“, erzählt Everink. Zum einen sei die Rolle großartig, zum anderen auch der Aufführungsort reizvoll. „Open air ist immer fantastisch, aber in dieser Kulisse hier auf dem Alten Garten ist es einfach umwerfend, auftreten zu können“, versichert der niederländische Sänger. „Wenn der Mond über dem Schloss aufgeht oder der Abendwind über die Bühne streicht, verleiht das so einer Aufführung unvergleichlichen Reiz.“

An der Rolle selbst habe ihn vor allem das Spannungsfeld gereizt, das diese Oper ausmacht, aber auch die Entwicklung der Titelfigur. Die Wandlung vom gewalttätigen Herrscher, der eine neue Bestimmung, eine neue Identität, eine andere Kultur für sich entdeckt, sei etwas ganz großartiges und hochaktuell. Die Verbindung zwischen den Völkern, der Umgang mit Respekt vor anderen Kulturen und Toleranz stehen auch jetzt auf der Tagesordnung. „Wir kommen nur weiter, wenn wir das Verbindende in den Mittelpunkt stellen, nicht das Trennende.“

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erstellt am 27.Jun.2014 | 11:47 Uhr

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