zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 11:28 Uhr

Evershagen - ein Jahr nach der Flut

vom

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2012 | 05:42 Uhr

Evershagen | Vor einem Jahr hatten die Bewohner der Einfamiliensiedlung in Evershagen-Dorf mit den Fluten zu kämpfen. Auf den Straßen stand das Wasser kniehoch und lief in die Keller und Wohnzimmer. Wie sieht es heute in dem Wohnviertel aus? Was hat sich verändert und wie sind die Menschen mit ihrem Schicksal umgegangen? Um sich auszutauschen, wurde in Evershagen am vergangenen Sonnabend von der Bürgerinitiative Evershagen-Dorf ein kleines Sommerfest für die Anwohner und zahlreichen Helfer von der Freiwilligen Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) organisiert.

Jürgen Leo Leopold und Sören Rosenau führten noch einmal in einem Rundgang durch die Straßen, in denen es am schlimmsten war: Theodor-Körner-Straße, Annette-Kolb-Ring, Ricarda-Huch-Straße und Hedda-Zinner-Weg. Begleitet wurden sie dabei von Fahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehr. "Da kommen Erinnerungen hoch", sagt Leopold und fügt hinzu: "Alles war überschwemmt. Über Wochen hatten wir mit den Fluten zu kämpfen und es schien kein Ende zu nehmen."

Auch Thomas Ebeling, Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Groß Klein, freut sich, dass noch einmal alle zusammenkommen: "Wir hatten hier damals mehr als 40 Einsätze zu fahren und viele Millionen Liter Wasser gepumpt." Zusammen mit der Berufsfeuerwehr und dem THW hätten die Kameraden oft 16 Stunden und mehr am Stück geholfen. "Hinzu kamen ja noch andere Notrufe, die sozusagen im Tagesgeschäft laufen. Das mussten wir alles gleichzeitig bewältigen", erinnert sich Ebeling. Zudem hätten viele Kollegen in Evershagen-Dorf ihren Jahresurlaub verbracht, um den Menschen dort zu helfen. "Es spielten sich wirkliche Dramen ab, weil wir nicht in alle Keller gleichzeitig konnten", sagt Ebeling. Dennoch hätte ihm der Zusammenhalt der Nachbarn imponiert. Es sei schließlich nicht selbstverständlich, dass die Feuerwehrleute auch mit Lebensmitteln von den Einwohnern während der langen Einsätze versorgt würden. Noch heute zeigen sich beide Seiten dankbar für die Unterstützung.

Ein Jahr danach können viele wieder lachen, auch weil die Stadt nun Maßnahmen ergriffen hat, die die Wohngegend vor künftigen Wassermassen schützen sollen. Jörg Seemann ist Projektplaner und Bauleiter bei Wastra-Plan und vom Umweltamt beauftragt worden, Präventionsmaßnahmen zu realisieren. "Das heißt, dass wir vor allem Gräben um die Wohnanlage anlegen, die etwaige Wassermassen außerhalb der Siedlung in den Schmarler Bach leiten", so Seemann. Die Arbeiten werden im Herbst nach der Apfelernte auf der Obstplantage beendet sein. Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich und werden komplett von der Stadt übernommen.

Dass sich die Bildung einer spontanen Bürgerinitiative gelohnt hat, freut vor allem Leopold: "Es hat sich im Interesse der Bürger ausgezahlt. Es war ein steiniger Weg, aber wir haben es geschafft, dass die Ämter uns beim Hochwasserschutz unterstützen." Besonders wichtig sei, dass beide Wohngebiete - nördlich und südlich der Theodor-Körner-Straße - in die Schutzmaßnahmen mit einbezogen würden. Nach einer eigenen Erhebung der Bürgerinitiative ist für die Anwohner ein Schaden von mindestens 900 000 Euro entstanden, "und da haben wir die Obstplantage noch außen vor gelassen", so Leopold.

Nun hoffen alle Beteiligten, dass sie in Zukunft von solchen Wassermassen verschont bleiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen