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Schwerin/Rostock : Euro-Krise sorgt für Immobilien-Boom in MV

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Die Sorge um den Euro hat die Nachfrage nach Immobilien auch in MV deutlich gesteigert. Wer investieren will, setzt auf den Bau eines Eigenheims statt auf Aktien. Sparkassen profitieren von der starken Nachfrage.

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erstellt am 12.Apr.2012 | 10:01 Uhr

Schwerin/Rostock | Die Sorge um den Euro hat die Nachfrage nach Immobilien auch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gesteigert. Wer investieren will, setzt auf den Bau eines Eigenheims statt auf Aktien. Sparkassen profitieren derzeit von der starken Nachfrage nach Wohneigentum. Allein für den Bau oder Erwerb von Eigentum hätten die ostdeutschen Sparkassen Kredite in Höhe von 2,5 Milliarden Euro bewilligt, teilte der Ostdeutsche Sparkassenverband mit. Dies sei eine Steigerung von 16,1 Prozent zum Vorjahr. "Offenbar bewerten viele Ostdeutsche vermehrt Wohneigentum in als unsicher empfundenen Zeiten als sichere Anlage", so Verbandspräsident Claus Friedrich Holtmann.

Laut einer Umfrage der Commerzbank, leben derzeit 59 Prozent aller Deutschen in ihrem eigenen Haus oder ihrer Eigentumswohnung. Vor zwei Jahren waren es lediglich 55 Prozent. Der Trend zum Eigenheim steigt, dies bestätigt die Baubranche. Sie rechnet in diesem Jahr ebenfalls mit Wachstum. Zum Vergleich: 2011 konnten die Baubetriebe bereits ein Umsatzplus von fast 18 Prozent verbuchen.

Neben Banken und Bauwirtschaft profitieren auch Architekten und Bauplaner vom Trend zum Eigenheim. Ihre Auftragsbücher sind gut gefüllt. Ein Beispiel: Die Perleberger Bauingenieure Karsten und Steffi Schulz können sich derzeit kaum vor Aufträgen retten. Bereits im Januar hätten sie angefangen, die ersten Häuser zu planen, sagt Steffi Schulz. Das sei ungewöhnlich früh gewesen. Der Bauboom habe mit der Griechenlandkrise begonnen, sagt Karsten Schulz. Ihre jetzige starke Auftragslage sei vergleichbar mit der Zeit, als zum ersten Mal das Gespräch aufkam, die Eigenheimzulage abzuschaffen. "Die Leute haben Angst um ihr Geld", sagt die Bauingenieurin und erzählt von einem Fall, der ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist: "Wir haben für eine Familie ein Haus geplant, die haben alles sofort bar bezahlt."

Für die Baufreude spreche zudem der Fakt, dass ausgewiesene Grundstücke zum Beispiel im Raum Perleberg rapide abnehmen würden, sagt Steffi Schulz. Die Tendenz gehe dahin, im Stadtgebiet zu bauen, so das Ehepaar. "Selbst aus den kleinen Randgebieten ziehen die Leute jetzt in die Stadt. Dort ist es zum Einkaufen nicht so weit und die medizinische Versorgung ist gegeben." Es sei vor allem die Generation 50 Plus, die baue. Ihre alten, zweigeschossigen Häuser auf dem Land würden sie an junge Familien verkaufen und sich selbst ein neues Eigenheim in der Stadt bauen. Die meisten ihrer Kunden planten, das Haus selbst zu beziehen. Deshalb werde auch nicht gespart, hat Karsten Schulz beobachtet: "Die Bauherren sind bereit, mehr Geld für ihr künftiges Eigentum auszugeben."

Auch die Struktur der Häuser habe sich geändert. "Man baut jetzt ebenerdig und denkt dabei schon daran, dass wir hier vergreisen", sagt seine Frau. So sei es keine Seltenheit, dass bereits beim Neubau eines Hauses ein Fahrstuhlschacht eingefügt werde, die Türen deutlich breiter angelegt würden, damit auch ein Rollstuhlfahrer bequem hindurchfahren könne, und Pläne für die Nachrüstung von Photovoltaikanlagen auf dem Dach vorlägen.

Ob der Boom jedoch ungehindert weitergeht, ist fraglich, denn der Bau des Eigenheims wird teurer. Im Gesamtjahr 2011 sind die Baupreise im Schnitt um 2,7 Prozent geklettert, das ist fast das Dreifache der Steigerung vom Jahr zuvor. Vor allem die Kosten für Handwerksarbeiten erhöhen sich. Laut Statistischem Bundesamt wird dies besonders deutlich bei Zimmerer- und Holzarbeiten. Hier mussten die Bauherren innerhalb des vergangenen Jahres bereits einen Preisanstieg um 4,3 Prozent hinnehmen.

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