Überfischung : EU-Plan lässt für Fischer Fragen offen

Fischkutter im Strelasund bei Stralsund: Die EU will die Überfischung beenden. Aber ist der Weg richtig?
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Fischkutter im Strelasund bei Stralsund: Die EU will die Überfischung beenden. Aber ist der Weg richtig?

Bis 2019 soll der Rückwurf von Beifängen verboten werden . Der Landesverband der Küstenfischer bleibt skeptisch.

svz.de von
29. Dezember 2013, 09:00 Uhr

Die EU will die Überfischung ihrer Gewässer beenden. Das Europaparlament hat im Dezember in Straßburg nach monatelanger Diskussion für eine nachhaltige Fischereipolitik ab 2014 gestimmt. In Mecklenburg-Vorpommern stoßen die neuen Regelungen auf unterschiedliche Resonanz. Während der einzige EU-Abgeordnete des Landes, Werner Kuhn (CDU), das Ergebnis ausdrücklich begrüßt, bleiben für den Landesverband der Kutter- und Küstenfischer viele Fragen offen.

So bemängelte Verbandsvize Michael Schütt das Fehlen einer detaillierten Aussage zum verbotenen Rückwurf von so genannten Beifängen, also Fischen, auf die es die Fischer eigentlich nicht abgesehen hatten.

Wie der Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Peenemündung in Freest (Vorpommern-Greifswald) sagte, ist es aus Sicht der noch rund 250 Fischereibetriebe im Land nicht nachzuvollziehen, dass beispielsweise auch kleine Flundern künftig an Land geholt werden sollen. Bisher würden diese zumeist noch lebenden Fische zurück ins Meer geworfen, um dadurch die Bestände zu schonen. Das soll laut EU-Beschluss ab 2014 schrittweise verboten werden.

Nach den Worten Kuhns, der für die Europäische Volkspartei EVP im EU-Parlament sitzt, wird für die künftig anzulandenden Beifänge ein spezielles Förderprogramm erarbeitet. So sollen diese Fische künftig in Kühlanlagen zwischengelagert werden können, um sie anschließend in größeren Mengen gewinnbringend zu veräußern. Auch der Aufbau eigener Verarbeitungslinien mit EU-Finanzmitteln ist laut Kuhn künftig für Fischer möglich. Die Kutter- und Küstenfischer im Nordosten sehen dafür allerdings vorerst keinen Handlungsbedarf. Angelandete Beifänge und Fischabfälle der Fischereigenossenschaft Freest werden nach den Worten ihres Geschäftsführers Schütt auch künftig an einen Fischmehlproduzenten in Cuxhaven veräußert. Für Beifänge aus der Heringsstellnetz-Fischerei, wie Plötze und Schleie, hätten sich zudem zahlreiche Direktabnehmer in den baltischen Ländern und Weißrussland gefunden.

Die zuständige Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei, Maria Damanaki, sagte: „Mit der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik wird grundsätzlich angestrebt, die Überfischung zu beenden und die Fischerei ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig zu gestalten.“ Daher werde die verschwenderische Rückwurfpraxis schrittweise abgeschafft, 2019 soll der Rückwurf von Beifang generell verboten sein. Bei Verstößen drohen den Fischern harte Sanktionen.

Nach Hochrechnungen wurden zuletzt jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen Fisch zurück in die Gewässer geworfen. Diese Fische wurden nicht auf die vereinbarten Quoten angerechnet. Zudem dürfen künftig anhand detaillierter Erkenntnisse nur noch so viele Fische gefangen werden, wie gleichzeitig Jungtiere nachwachsen.

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