Mühlengeez : EU hält sich mit Hilfen für Milchbauern zurück

Die Milchpreise sinken weiter.
Die Milchpreise sinken weiter.

svz.de von
11. September 2015, 21:00 Uhr

Die deutschen Bauern können in der aktuellen Milchkrise außer dem geplanten Hilfspaket keine zusätzliche Unterstützung von der EU erwarten. Ein Zurück zu mehr Eingriff und Intervention seitens der EU-Kommission werde es nicht geben, sagte der EU-Kommissionsverantwortliche für gemeinsame Marktordnung, Jens Schaps, gestern auf dem Bauerntag der Agrarmesse MeLa in Mühlengeez bei Güstrow. Man werde die Wettbewerbsfähigkeit der Agrarbranche Europas in Konkurrenz zu Neuseeland, Australien und den USA nicht durch neue Interventionen gefährden. Europas Landwirtschaft exportiere so hochwertige Nahrungsmittel wie noch nie.

Schaps verteidigte das geplante 500-Millionen-Euro-Paket, das der EU-Rat an diesem Dienstag in Luxemburg beschließen soll. Das Geld soll unter anderem in die Absatzförderung fließen. Zudem sollen Betriebsprämien früher ausgezahlt werden. Die Länderagrarminister und Bauernvertreter hatten das Hilfspaket kritisiert.

Die Bauern beklagen nicht auskömmliche Milchpreise. „Der durchschnittliche Milchpreis in der EU liegt bei 29,6 Cent pro Kilogramm und geht weiter tiefer“, erklärte Schaps. In Deutschland schwanke der Preis zwischen 29 Cent im Süden und rund 25 Cent in Norddeutschland. Die EU rechne damit, dass „bevorteilte Standorte“ wie Deutschland, Frankreich, Polen oder Irland künftig mehr Milch liefern werden. Dagegen werde die Produktion in weniger wettbewerbsfähigen Regionen wie Schweden, Finnland, Italien, Griechenland, Ungarn und Tschechien zurückgehen.

Zuvor hatte Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) Bund und EU aufgefordert, den Exportstopp für Lebensmittel nach Russland aufzuheben. Darunter leide die Agrarbranche im Nordosten besonders. Schaps kündigte an, dass mit Russland in Kürze über das Schweinefleisch-Problem gesprochen werde. Backhaus kritisierte erneut den Lebensmitteleinzelhandel. Der sei dabei, die Veredlungswirtschaft im Nordosten mit niedrigen Preisen zu ruinieren. Lidl kündigte derweil an, den Milchpreis anzuheben.

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