Medizintechnik : EU-Fördersegen bringt Heilung

<p>Eine Stammzell-Injektion in  das Kniegelenk eines Patienten mit Arthrose</p>
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Eine Stammzell-Injektion in  das Kniegelenk eines Patienten mit Arthrose

Brüssel pumpt Milliardenhilfen nach MV – für neue Jobs und Hightech-Projekte wie die vom Schweriner Medizintechniker Human Med

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14. Juni 2018, 20:45 Uhr

Das weckt bei Patienten Hoffnungen: Erkrankungen des Herzens, der Leber, der Niere, der Atemwege oder auch Gelenk- oder chronische Wunderkrankungen – eine neue Spitzentechnologie aus Schwerin bietet Heilungschancen, ist Inge Matthiesen überzeugt. Seit 2014 entwickeln Schweriner Medizintechniker an einem Verfahren und Gerätesystem, mit dem aus Fettgewebe Stammzellen gewonnen werden können, erklärte die Projektchefin der Medizintechnikfirma Human Med.

Erste Behandlungen an Patienten geben ihnen Recht: Bei 140 Patienten seien auf diese Weise gewonnene Stammzellen in Gelenke an Hüfte, Knie oder Schulter injiziert worden – mit deutlichen Verbesserungen der Beschwerden, berichtete Matthiesen. An der Uni Helsinki sei ein Patient mit Harnröhrenverengung behandelt worden. 30 Jahre habe er über Schmerzen geklagt, nach der Stammzellentherapie sei er noch sechs Wochen völlig schmerzfrei gewesen, erklärte die Fachfrau. Selbst die Schwiegermutter von Firmenchef Bernd Lindner habe sich damit behandeln lassen – mit Erfolg, erzählt der Unternehmer.

Seit 2014 entwickeln die Schweriner an der neuen Technologie. Die Geräte zur teilautomatischen Zellfraktion seien serienreif, die Markteinführung weitgehend abgeschlossen – ein nach eigenen Angaben wegen der kompakten Größe und dem Einsatz in sterilen Operationssystemen weltweit einmaliges Gerät.

Mit Geld aus Brüssel: Das medizinische Mini-Hightech-Labor für den OP-Saal ist eines von Hunderten Projekten, die mit millionenschwerer Hilfe der EU in MV für Arbeit sorgen. Rund eine Million Euro steuerte Brüssel für das Schweriner Projekt bei: Ohne die Förderung hätte sich Human Med das gemeinsam mit der Uni Rostock betriebene Forschungsvorhaben nicht leisten können, meinte Firmenchef Lindner gestern bei einem Besuch des Deutschland-Chefs der Generaldirektion Regionalpolitik der Europäischen Kommission, Leo Maier, bei einer Förderkontrolle in MV.

Brüssel pumpt seit mehr als zwei Jahrzehnten Milliarden nach MV – die EU ist der größte Förderer im Nordosten. In nahezu allen Förderprogrammen im Land steckt Geld aus Brüssel – für neue Jobs, bessere Infrastruktur, Forschungs- und Entwicklungsprojekte. „Ohne die Hilfe der EU hätte MV nicht den Entwicklungsstand erreicht“, meinte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern zur Halbzeitbewertung der noch bis 2020 laufenden Förderperiode. Zwischen 2014 und 2020 stellt Brüssel in drei Fonds für die Regionalentwicklung, Sozialprojekte und die Entwicklung der ländlichen Regionen in MV 2,3 Milliarden Euro bereit – 968 Millionen Euro für Investitionen in der Wirtschaft. Allein mit den Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen würden 780 neue Arbeitsplätze geschaffen und 2600 gesichert. Eine „Erfolgsgeschichte“, bescheinigte auch Regionalförderer Maier dem Land. Die Förderung sei „gelebte Solidarität“ in Europa, wies er Kritik an der EU zurück. Das werde von vielen allerdings kaum anerkannt. Lediglich jeder vierte Deutsche würde um die Wirkung der EU-Förderung wissen, habe eine Umfrage ergeben.

MV kann indes auch nach 2020 mit Förderhilfen rechnen: Der Nordosten werde weiter eine Übergangsregion bleiben, in der Forschungs- und Entwicklungsprojekte, vor allem kleine und mittlere Firmen und die Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft gefördert werden sollen, sagte Maier. MV brauche die Hilfe als „Impuls für weiteres Wirtschaftswachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze“, meinte Glawe.

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