Bulimie : Essstörungen auf dem Vormarsch

Model Isabelle Caro.
Model Isabelle Caro.

Zuwächse bei Jugendlichen, aber auch bei Älteren

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08. September 2015, 07:45 Uhr

Sie bestehen nur noch aus Haut und Knochen und finden sich doch zu dick: Die Zahl der Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern wegen einer Essstörung ärztlich behandelt werden müssen, nimmt rasant zu. Binnen fünf Jahren stieg die Zahl der wegen einer Mager- oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) Behandelten um 38 Prozent, so die Krankenkasse Barmer GEK nach Auswertung ihrer Versichertendaten. Demnach wurden im Jahr 2009 hier im Land noch 637 ihrer Versicherten wegen einer Essstörung behandelt, 2014 waren es bereits 929, so Barmer-Sprecher Bernd Schulte. Die meisten Fälle verzeichnet die Krankenkasse in der Gruppe der 19- bis 30-Jährigen, den höchsten prozentualen Zuwachs bei den 13- bis 18-Jährigen. Überwiegend betroffen sind Mädchen und Frauen, zunehmend erkranken aber auch Männer.

Laut Dr. Jochen Buhmann, Chefarzt der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Schweriner Helios Kliniken, treten vor allem in der Pubertät auf, es gebe aber auch Ersterkrankungen nach dem 25. Lebensjahr. „Auslöser können schwere Lebenskrisen, der veränderte Körper nach einer Geburt, jahrelange Diäten oder die Angst vor dem Älterwerden sein“, weiß der Mediziner. Auch familiäre Probleme, Leistungsdruck oder nicht verarbeitete Trauer können Ursachen für die Erkrankung sein.

„Doch entgegen einem Klischee sind Essstörungen nicht nur ein Problem junger Menschen“, betont Barmer-Sprecher Schulte, „sie kommen in jedem Alter vor.“ So stiegen bei den über 41-Jährigen die Fallzahlen in MV binnen fünf Jahren um mehr als zwei Drittel. Buhmann zufolge hat das auch mit der Jugendfixierung in unserer Gesellschaft zu tun, in der mit fortschreitendem Alter die Angst vor dem Verlust von Erfolg, Anerkennung und Konkurrenzfähigkeit steigt.

„Wer magersüchtig ist, braucht professionelle Hilfe“, betont der Landesgeschäftsführer der Barmer GEK, Henning Kutzbach. Gesetze wie in Frankreich, wo magersüchtige Models verboten wurden, seien jedoch der falsche Weg.

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