Prozess in Schwerin : Es wird „wieder schön brennen“

Das Schweriner Landgericht
Das Schweriner Landgericht

26-Jährige aus Grevesmühlen drohte Flughäfen und Radiosendern mit Anschlägen. Vor Gericht heißt es: Sie wollte nur Aufmerksamkeit

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04. Mai 2017, 21:00 Uhr

Weil sie Flughäfen, Bahnhöfen und Radiosendern mit Sprengstoffanschlägen drohte, muss sich eine 26-jährige Frau aus Grevesmühlen seit heute vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr das Vortäuschen von Straftaten und die Störung des öffentlichen Friedens vor. Unter anderem wurden aufgrund einer ihrer Drohungen im August 2016 auf dem Flughafen München die Starts von zwei Lufthansa-Maschinen abgebrochen, die nach Paderborn beziehungsweise Köln fliegen sollten. Die Lufthansa fordere knapp 35  000 Euro Schadensersatz von ihr, sagte die Angeklagte vor Gericht. Auch die Landespolizei hat ihre Einsätze in Rechnung gestellt und will 1700 Euro von der Frau haben.

Per E-Mail oder SMS meldete sich die Angeklagte zwischen März 2016 und Januar 2017 auch bei der Polizei in Wismar, den Flughäfen Berlin-Tegel und Düsseldorf, beim Hauptbahnhof Hannover sowie den Radiosendern „Ostseewelle“ und „Radio Regenbogen“ in Mannheim. In Wismar kündigte sie einmal eine Explosion an, ein anderes Mal teilte sie mit, dass es „wieder schön brennen wird“. Aber sie fühlte sich sicher, „dass ihr mir nichts nachweisen könnt“. In einer Mail warnte sie die Bedrohten, sie zu verfolgen, weil sie ihnen sonst wehtun müsse.Von den Radiosendern forderte sie jeweils, den Sendebetrieb einzustellen oder zumindest keine Nachrichten mehr zu bringen.

In den meisten Fällen waren die Drohungen der arbeitslosen Hilfsarbeiterin, die in Hotels putzte oder in Pizzabäckereien aushalf, anhand ihres Namens, den sie in der E-Mailadresse angab, oder anhand ihrer Telefonnummer zurückzuverfolgen. In allen Fällen handelte es sich um leere Drohungen, denn die Frau hatte keine Bomben gebaut und dies auch nie geplant.

Der Verteidiger räumte im Namen der Angeklagten die vorgeworfenen Drohungen ein. Sie habe damit wohl nur Aufmerksamkeit erheischen wollen. Sie selbst wies auf eine langandauernde Alkoholsucht hin. Sie habe bis zu zehn Flaschen Bier pro Tag getrunken. Schon häufiger war sie zur Alkoholentgiftung im Krankenhaus. Zu einer Entziehungskur hat es jedoch nie gereicht. Auch sei sie psychisch krank, verspüre häufig einen inneren Druck. Der nahm ab, wenn sie Alkohol trank. Auch nach den Droh-Mails, so sagte sie, „ist es mir besser gegangen, aber nur für kurze Zeit“. Mehrmals erzählte sie unmittelbar nach einer ihrer Drohungen ihrem Lebensgefährten davon. Der setzte dann alle ihm möglichen Hebel in Bewegung, um der Polizei oder den Flughäfen mitzuteilen, dass sie nicht wirklich ernst zu nehmen waren. Mit einem Urteil wird im Laufe dieses Monats gerechnet.

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