Mecklenburg-Vorpommern : Es war ein Apfel-Sommer

Obstbauer Günter Brandt misst auf seinem Hof in Boddin die Größe der von ihm angebauten Äpfel der Sorte „Elstar“.
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Obstbauer Günter Brandt misst auf seinem Hof in Boddin die Größe der von ihm angebauten Äpfel der Sorte „Elstar“.

Die Anbauer erwarten in diesem Jahr eine gute Obsternte – das ist auch ein Problem

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25. August 2016, 08:00 Uhr

Der Obstbauer Günter Brandt hadert ein wenig mit seinen Apfelbäumen im westmecklenburgischen Boddin: „In Südtirol sind die Früchte größer, die Bäume höher und von oben bis unten mit Äpfeln besetzt“, sagt der Geschäftsführer der Boddinobst GmbH, der gerade mit Kollegen zum Erfahrungsaustausch bei Obstbauern in Norditalien war.

Auch wenn die Sonne in Mecklenburg-Vorpommern keine italienischen Verhältnisse schuf – eine gute Apfelernte wird es allemal, ist der Obstbau-Experte der LMS Agrarberatung in Schwerin, Rolf Hornig, sicher. Er rechnet landesweit mit wenigstens 40 000 Tonnen. Meist seien es 36 000 bis 37 000 Tonnen gewesen.

Das Wetter habe sich zur Blüte und darüber hinaus günstig gezeigt. Im Stralsunder Obstgut Eggert sind die ersten Sommerapfelsorten schon vom Baum, wie Inhaber Johannes Eggert berichtet. Im Gartenbauzentrum der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow bei Güstrow waren die ersten Äpfel in diesem Jahr rund zwei Wochen früher reif als im Schnitt. Die Erträge stellen überall zufrieden.

Der Nachteil davon: Auch anderswo in Deutschland und Europa wird die Ernte gut. Je mehr Ware auf dem Markt ist, desto schlechter sind die Preise. „Polen erwartet mehr als 4,15 Millionen Tonnen Äpfel, eine Rekordernte“, sagt Hornig. Polen sei Europas größter Apfelproduzent.

Seit dem Russlandembargo kämen pro Jahr 800 000 Tonnen polnische Äpfel mehr auf den Markt. Der Apfelkonsum hält nicht mit, er geht in Deutschland zurück. Sieben Liter Apfelsaft würden laut Statistik pro Kopf verbraucht. „Vor zehn, zwölf Jahren waren es noch 13 Liter“, sagt Hornig. Italien vermarkte Äpfel gut in Nordafrika – in Marokko, Algerien und Tunesien. Auch deutsche Obstbauern müssten außereuropäische Märkte erschließen, meint er. Für Boddin erwartet Brandt etwas weniger Äpfel als im Vorjahr, als über 7000 Tonnen gepflückt wurden. Die Hälfte sind Bio-Äpfel. Für Bio-Tafeläpfel gibt es mit 80 Cent bis 1,05 Euro pro Kilogramm deutlich mehr als für konventionelle Ware mit 30 bis 50 Cent. Doch sie machen auch mehr Arbeit. „Uns alle drückt der Mindestlohn“, sagt Brandt. „Wir müssen alles tun, damit die Lohnkosten nicht steigen.“

Boddinobst probiert es mit Technik und hat eine Tafelapfelerntemaschine gekauft, die selbstständig durch die Plantage fährt. Pflücker nehmen die Früchte per Hand ab und legen sie einzeln auf weiche, kaum vibrierende Transportbänder. Wie groß die Ersparnis ist, wird sich bei der bevorstehenden Ernte erstmals zeigen. Am 5. September will Brandt starten, mit dem See-stermüher Zitronenapfel. Er rechnet derzeit damit, dass sechs Pflücker zwei Tonnen pro Stunde ernten können. Anfang November sollen in Boddin alle Früchte von den Bäumen sein.

Bereits bewährt hat sich nach Brandts Worten eine Maschine zum Spritzen von Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzkrankheiten, die seit März auf den Bio-Flächen im Einsatz ist. 15 bis 20 Mal pro Saison müssten die Bäume behandelt werden, bei Bio-Obst noch etwas mehr.

„Lohnkosten müssen durch Maschinen ersetzt werden“, sagt Professor Gerhard Flick, der an der Hochschule Neubrandenburg im Fachbereich Agrarwirtschaft lehrt. Für vieles würden sich ohnehin keine einheimischen Arbeitskräfte mehr finden lassen. Die Zeiten des Bio-Gärtners mit Strohhut seien vorbei.

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