Deutsche Einheit : Es wächst zusammen – langsam

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Innere Einheit von Ost und West knapp 27 Jahre nach Wiedervereinigung noch nicht erreicht.

svz.de von
29. September 2017, 21:00 Uhr

Ost, West? Für viele jüngere Deutsche ist das kein Thema. Sie kennen den Mauerfall und die Wiedervereinigung vor 27 Jahren nicht aus eigenem Erleben. Für etliche Ältere war es dagegen eine Zäsur in ihrem Leben.

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage kommt das Zusammenwachsen der Deutschen seit 2011 nur in Mini-Schritten voran. Demnach sagte nur jeder Zweite, die Deutschen seien zu einem Volk zusammengewachsen. Aktuell betonten 46 Prozent, das Trennende überwiege noch (2011: 50 Prozent). Zwischen dem 13. und 21. September wurden bundesweit 1037 Menschen im Auftrag der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur befragt. Geschäftsführerin Anna Kaminsky sagte, „die innere Einheit kommt nicht von heute auf morgen, aber sie kommt“. Seit 2003 bestehe der Trend, dass Menschen zunehmend gesamtdeutsch denken. „Wir werden diese Entwicklung weiterhin fördern.“

In den ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil der Skeptiker mit 55 Prozent laut Befragung höher als in den westdeutschen (45 Prozent), sank gegenüber 2011 aber deutlich. Damals meinten noch 67 Prozent der Ostdeutschen, das Trennende überwiege. Laut Forsa sind 57 Prozent der Bundesbürger für eine weitere Aufarbeitung der SED-Diktatur. 37 Prozent halten das nicht mehr für notwendig. Auffällig war, dass sich Befragte mit Abitur und Studium am häufigsten für weitere Aufarbeitung aussprachen (68 Prozent), aber nur 40 Prozent derer mit Hauptschulabschluss.

Dass die Jüngeren nur wenig Trennendes zwischen Ost und West empfänden, nannte Kaminsky erfreulich; ebenso das Votum für die weitere Aufarbeitung der SED-Diktatur. Angesichts der aktuellen Gefährdungen von Demokratie sei dies ein positives Signal.

Unterdessen forderte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Gastgeber der zentralen Einheitsfeier alle Demokraten auf, Gesicht zu zeigen und sich den populistischen Kräften entgegenzustellen, die jetzt auch im Bundestag vertreten seien. Populisten nutzten die Möglichkeiten der freiheitlichen Gesellschaftsordnung, um Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu verbreiten.

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) forderte eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit. Die Ungerechtigkeiten müssten auf den Tisch. „Es reicht nicht mehr, den Feiertag als reines Volksfest zu begehen.“ Die Ostdeutschen müssten verstehen, dass auch Gebiete im Westen einen tiefgreifenden Strukturwandel durchlebt hätten. „Und die Westdeutschen dürfen die teils bitteren Erfahrungen der Nachwendezeit nicht als Jammerei abtun“, mahnte Köpping mit Verweis auf die bei der Bundestagswahl sichtbar gewordene „Spaltung unseres Landes“. Viele Daten wiesen darauf hin, dass negative Einstellungen an die jüngere Generation weitergegeben werden, warnte sie.

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