Syrischer Landsmann : „Es tut uns sehr leid und ärgert uns genauso“

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Junger Mann aus Syrien sendet auf Facebook eine Botschaft gegen den Hass.

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01. November 2017, 21:00 Uhr

Nach dem Anti-Terror-Einsatz in Schwerin hat der Landesflüchtlingsrat davor gewarnt, Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien unter Generalverdacht zu stellen. „Die Lehre aus dem jüngsten Fall kann nur sein, noch wachsamer zu sein“, sagte die Vorsitzende Ulrike Seemann-Katz. Darüber dürfe nicht vergessen werden, dass die allermeisten Syrer selbst vor dem Terror geflohen seien und sich nun auch Sorgen machten. So wie Ghyath Kahowji (29) aus Syrien, der seit drei Jahren in Schwerin lebt. „Von einem Anschlag wären doch alle Menschen betroffen gewesen“, sagt der 29-Jährige.

Als nach Bekanntwerden der Festnahme in den sozialen Netzwerken die üblichen Vorurteile und Klischees über Flüchtlinge verbreitet wurden, setzte er eine Botschaft dagegen. „Es tut uns sehr leid und ärgert uns, dass ein Syrer so einen Mist machen wollte“, schrieb Kahowji auf Facebook. Er habe mit seinem Kommentar etwas tun wollen gegen die pauschalen Verdächtigungen gegenüber Flüchtlingen, erklärt der 29-Jährige einen Tag später im Gespräch mit unserer Redaktion.

Er und viele seiner Bekannten könnten ebenso wie viele Deutsche auch nicht verstehen, warum ein 19-Jähriger in seiner Wohnung Bomben bastelt. „Wir sind doch vor dem Krieg und einem Diktator geflohen und dankbar, dass wir in Deutschland in Sicherheit sind“, sagt Kahowji. „Ich entschuldige mich noch einmal. Ihr habt das nicht verdient“, schrieb er in seinem Facebook-Eintrag weiter. Verbunden mit der Hoffnung, „dass ihr nicht alle geflüchteten Menschen in einen Sack steckt.“

Die Reaktionen auf seinen Facebook-Eintrag haben ihn teilweise überrascht, erzählt Kahowji. „Es seien viele nette Kommentare dabei gewesen. „Das hat mich sehr gefreut.“ Und auch das mulmige Gefühl, mit dem er am Tag nach dem Anti-Terror-Einsatz zur Arbeit gegangen war, war schnell verflogen. „Die Atmosphäre war sehr gut“, sagt Ghyath Kahowji. „Wir wollen hier doch alle miteinander in Frieden und Freiheit leben.“

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