zur Navigation springen

Kindesmissbrauch in Schwerin : Es steht Aussage gegen Aussage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Frau wurde vom Vorwurf des sexuellen Kindesmissbrauchs freigesprochen. Das Gericht sieht zu viele Ungereimheiten in der Zeugenaussage

von
erstellt am 18.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Das Schweriner Amtsgericht hat eine 62-jährige Frau vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes freigesprochen. Das Gericht habe nicht zweifelsfrei feststellen können, dass sie vor sechs Jahren den damals zwölfjährigen Sohn ihres Lebensgefährten unsittlich berührt hat. Zu zahlreich seien die Ungereimtheiten in den Aussagen des Jungen. Nach dem Urteil lag sich die Freigesprochene erleichtert weinend mit ihren Familienangehörigen in den Armen.

Es war einer der Fälle, in der Aussage gegen Aussage steht. Auf der Anklagebank saß eine resolut wirkende Frau, die die Vorwürfe empört zurückwies. „Davon stimmt nicht ein Wort“, sagte sie. Sie könne sich nicht erklären, warum der Junge solche Vorwürfe gegen sie erhob. Einmal im Jahr sei er für ein oder zwei Wochen nach Schwerin gekommen, um seinen Vater, also ihren Lebensgefährten, zu besuchen. Da habe sie ab und an mit ihm wegen Kleinigkeiten geschimpft. Aber das könne ihn nicht derart verärgert haben, um sie des sexuellen Missbrauchs zu beschuldigen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft besagte, die 62-Jährige sei eines Tages, als der Vater des Jungen nicht zuhause war, aus dem Bad gekommen, habe dem Jungen, der in einem Sessel im Wohnzimmer saß, über den Kopf und die Beine gestreichelt, habe versucht ihn auf den Mund zu küssen und habe ihm in den Schritt gefasst. Der Junge habe sie weggestoßen, sei aus dem Zimmer gerannt und habe sich im anderen Zimmer eingeschlossen.

„Das ist alles gelogen“, rief die Angeklagte dem inzwischen 18-Jährigen zu, als er als Zeuge im Gerichtssaal erschien. Er wiederholte weitgehend, was er bei der Polizei angezeigt hatte. Er konnte sich jedoch nicht erinnern, was unmittelbar vor und nach der angeblichen Tat passierte. „Den Vorfall habe ich seit Jahren im Kopf“, insistierte er, „alles andere habe ich verdrängt“. Albträume habe er gehabt, Schweißausbrüche und Angst vor Frauen, die ihn anfassen wollten. Erst im vergangenen Herbst habe er einer Lehrerin von dem Vorfall erzählen können. Die berichtete, das habe er zitternd und weinend getan, als habe er sich dazu sehr überwinden müssen.

Am Ende wurde die Angeklagte freigesprochen. Wer sich etwas einbilde, der beschränke sich auf den Kern des Geschehens, sagte Amtsrichter Thomas Diekmann. Damit deutete er an, wo er den Auslöser des Prozesses vermutete, ohne dem Jungen eine vorsätzliche Lüge zu unterstellen. Hinzu komme, dass der Junge von einem Sessel erzählte, den es im Wohnzimmer nicht gegeben habe. Außerdem habe er seiner Lehrerin von einer bedrohlichen SMS der Angeklagten berichtet, dies im Prozess aber bestritten.

Ob der Junge möglicherweise gelogen oder sich die Tat wirklich nur eingebildet hat, wurde nicht geklärt. Andererseits blieb offen, warum er die Freundin seines Vaters nach Ansicht des Amtsrichters falsch beschuldigt hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen