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Journalist berichtet über Gaffer : „Es sind bisher zum Glück Einzelfälle“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Journalist berichtet über seinen Erfahrungen

„Es ist bisher, Gott sei Dank, im Rahmen geblieben. Zumindest was den Altkreis Parchim angeht, sind es bisher zum Glück Einzelfälle“, sagt Michael-Günther Bölsche. Seit 37 Jahren ist der Journalist für unsere Zeitung als Polizeireporter tätig und dabei auch oft im Einsatz, wenn über Unfälle berichtet wird. „Es gibt nicht immer Gaffer, aber sehr häufig“, sagt der 64-Jährige. „Bei meiner Arbeit habe ich da schon einiges erlebt.“

Lutheran am 12. Februar 2016. Nach einer Schießerei ist der Journalist am Ort des Geschehens. „Bevor wir als Journalisten überhaupt fotografieren durften, filmten und fotografierten Anwohner und Neugierige längst mit ihren Handys“, erzählt Bölsche. Was mit diesen Fotos in den sozialen Netzwerken passiert, das könne sich jeder vorstellen. „Das ist es ja. Bevor wir als Journalisten etwas öffentlich machen, beachten wir die Persönlichkeitsrechte und machen beispielsweise Kennzeichen unkenntlich. Die Gaffer machen das nicht und verbreiten die Fotos und Videos einfach“, sagt Michael-Günther Bölsche.

Auch Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist mit der Problematik der Schaulustigen vertraut. „Es gibt ein neues Denken. Die Menschen schauen nicht nur für ihre eigene Neugier, sondern sie nehmen Fotos und Videos auf, um zum Geschichtenerzähler zu werden – auf Kosten der Opfer“, sagt der 52-Jährige. „Ich erinnere mich an einen Fall vor zwei Jahren. Es war ein Unfall auf der B191. Da ist ein Zivilist bis an das verunfallte Fahrzeug herangegangen und hat versucht, durch die Seitenscheibe zu fotografieren und zu filmen. Die Polizeibeamtin nahm ihm daraufhin das Handy weg.“

Bei Feuerwehreinsätzen ist es oft anders, hat unser Polizeireporter erlebt. „Wenn die Feuerwehr vor der Polizei am Unfallort ist, gibt es meistens weniger Gaffer, weil die Einsatzkräfte weiträumiger absperren.“

Bei einem Fall musste der 64-Jährige sogar vor Gericht aussagen. „Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Kreisstraße von Lübz über Greven fuhr ein Pkw direkt bis zur Unfallstelle. Der Beifahrer ließ die Scheibe runter und forderte die Polizisten auf, die Straße zu räumen. Schließlich wolle er durchfahren. Als eine Polizistin ihm sagte, dass das noch nicht möglich ist, beleidigte er sie und zwang die Fahrerin des Wagens weiterzufahren. Er fuhr tatsächlich durch die noch von der Polizei gesicherte Unfallstelle. Ein halbes Jahr später stand er dafür wegen mehrerer Vergehen vor Gericht.“

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erstellt am 14.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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