Pfifferlinge sprießen bereits : Es könnte ein Super-Pilzjahr werden

In einem Laubwald nahe Parchim hat Jürgen Gärtner eine Handvoll 'Blasser Pfifferling' entdeckt. Foto: Wolfried Pätzold
In einem Laubwald nahe Parchim hat Jürgen Gärtner eine Handvoll "Blasser Pfifferling" entdeckt. Foto: Wolfried Pätzold

Da leuchten die Augen des Experten: Der Parchimer Jürgen Gärtner hat auf seinem täglichen Waldspaziergänge eine Handvoll „Blasser Pfifferlinge" entdeckt und für ein Foto fein säuberlich im Garten aufgereiht.

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17. Juli 2012, 10:42 Uhr

Sternberg | Da leuchten die Augen des Experten: Jürgen Gärtner hat auf seinem täglichen Waldspaziergänge eine Handvoll "Blasser Pfifferlinge" entdeckt und für ein Foto fein säuberlich im Garten aufgereiht. "Im Gegensatz zum gleichnamigen "Echten Pfifferling" wachsen sie in Laubwäldern unter Buchen oder Eichen und sind durchaus schmackhaft", weiß der Parchimer aus langjähriger Erfahrung. Schließlich ist er schon seit rund 35 Jahren als Pilzberater Ansprechpartner für die große Schar der Hobbysammler.

Derzeit herrscht in den Wäldern noch die Ruhe vor dem Sturm. "Die Pilze kommen langsam in Gang. Aber in wenigen Wochen kann sich das Bild ändern", meint Jürgen Gärtner und sieht Vorzeichen für ein außerordentlich gutes Pilzjahr aufziehen. Der Wettermix des Sommers 2012 mit viel Regen und wechselhaften Temperaturen macht Hoffnung. "Und dennoch bleibt die Sache unsicher. Im Vorjahr fing bekanntlich alles vielversprechend an und am Ende waren die Körbe nur mäßig gefüllt. Pilze verhalten sich mitunter unberechenbar und machen einfach was sie wollen", so Gärtner schmunzelnd. Dabei ist auch für ihn interessant, dass Pilze offenbar Schadstoffe in der Luft gut verkraften und die Bestände eher unter dem Raubbau der Menschen leiden.

Wer sich in diesem Jahr auf Pilzsuche macht, könnte mit etwas Glück auch in der Region auf den von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGFM) ausgewählten "Pilz des Jahres 2012" stoßen. Der "Graue Leistling" ist eine der sechs Pfifferlingsarten, die in Deutschland bekannt sind. Neben seinem Bruder, dem wohlbekannten "Echten Pfifferling", ist er eher unscheinbar und an seinem trichterförmigen Hut mit grauen Leisten sowie dem graubraunen Stil zu erkennen. Dieser Speisepilz, der vom Gesetzgeber geschützt ist, darf nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Er kommt vorwiegend in Laubwäldern in der Nähe von Rotbuchen vor.

Jürgen Gärtner gehört zu den 46 Pilzberatern, die aufgrund einer Vereinbarung mit den Gesundheits- bzw. Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämtern in Mecklenburg-Vorpommern tätig sind. Sie haben 2011 bei rund 4000 Beratungen mehr als 200 stark giftige Pilze, darunter 42 Grüne Knollenblätterpilze, 71 Pantherpilze, drei Ziegelrote Risspilze, vier Frühjahrsmorcheln und 86 Gifthäublinge, aussortiert. "Dennoch handeln die meisten Sammler sehr verantwortungsbewusst und kennen sich überwiegend auch gut aus", meint Jürgen Gärtner. Bei ihm gab es nur einzelne Funde mit ungenießbaren Pilzen, die für Übelkeit sorgen können.

Da es 2011 insgesamt sehr wenige Pilze in heimischen Wäldern gab wurden auch nur zwei Vergiftungen mit fünf betroffenen Personen gemeldet. In beiden Fällen waren Karbolegerlinge Ursache für Magen-Darm-Beschwerden.

Für Jürgen Gärtner war ein Pilzfund vor mehr als 35 Jahren das Schlüsselerlebnis, um sich anschließend zum Pilzberater ausbilden zu lassen. Bei einem Campingurlaub hätte er fast eine Pfanne mit Hexenröhrlingen zubereitet. Zweifel und der Gang zum Experten bewahrten ihn und die Familie vor einem folgenreichen Abendessen. "Jeder, der sich nicht ganz sicher ist, sollte einen Fachmann konsultieren. Dieser minimale Aufwand kann mitunter Leben retten", gibt er zu bedenken.

Einen wichtigen Stellenwert nimmt auch in diesem Jahr die Pilzaufklärung ein. 2011 haben die Experten landesweit zu 70 Vorträgen mit über 1000 Besuchern und 180 Pilzlehrwanderungen mit mehr als 2300 Teilnehmern ein geladen. Auch Jürgen Gärtner bietet seine Dienste an. "Wer als kleine oder größere Gruppe den Wald und die Pilzlandschaft erkunden will, kann sich bei mir melden. Das Interesse ist erfahrungsgemäß sehr groß", freut sich der Parchimer, der auch aus seiner Zeit als langjähriger Naturpark ranger in Warin vielen bekannt ist.

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