Trickbetrug : „Es kann jedem passieren“

Wie verhalte ich mich richtig? Das wollte Christine Schade wissen und organisierte in Crivitz eine Sicherheits-Beratung für Senioren.
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Wie verhalte ich mich richtig? Das wollte Christine Schade wissen und organisierte in Crivitz eine Sicherheits-Beratung für Senioren.

Beratungen bieten Senioren Schutz vor Trickbetrügern. Die Deliktzahlen im Land steigen, die Dunkelziffer ist hoch.

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12. März 2016, 08:00 Uhr

Ein vertrauenswürdiger Anruf eines vermeintlichen Polizeibeamten kostete kürzlich eine 90-jährige Frau aus Greifswald 42 000 Euro. „Der Mann verwickelte die Rentnerin in ein Gespräch und gab sich als Polizeibeamter aus“, sagt Helmut Walther, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam. Dann bat der Anrufer die Seniorin um 40 000 Euro, die er im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens präparieren müsse. In der Annahme, dass es sich um die Polizei handelte, besorgte sich die Rentnerin das Bargeld. Später nahm ein Bote das Geld entgegen.

Trickbetrug ist in Mecklenburg-Vorpommern keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr ist nach Angaben von Michael Schuldt, Sprecher des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern, ein Gesamtschaden von etwa 640 000 Euro entstanden. „Wir haben mehr als 300 Fälle registriert.“

Die Vorgehensweise sei fast immer gleich: „Die Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach älteren, allein lebenden Personen, rufen diese an und geben sich als Verwandte, Enkel oder gute Bekannte aus“, so der Beamte. In eindringlichen Worten werden Notlagen nach Unfällen oder finanzielle Engpässe bei dringend benötigten Anschaffungen geschildert.

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, hat Christine Schade aus Crivitz bei Schwerin eine Senioren-Sicherheitsberatung organisiert. Diese werde seit 2013 durch das Landeskriminalamt in Zusammenarbeit mit dem Landesseniorenbeirat angeboten. „Die Veranstaltung richtete sich an die Besucher des Kreises für Ältere im Crivitzer Pfarrhaus“, erklärt Schade und erinnert sich, dass die Nachfrage hoch war.

Dennoch sei Panikmache fehl am Platz: „Ich habe keine Angst, aber ein mulmiges Gefühl, wenn es um unbekannte Anrufer geht“, sagt die 66-Jährige. Um dies zu ändern, sei es gut, auf ein solches Gespräch am Telefon vorbereitet zu sein. Denn die Täter treten überzeugend auf, weiß Siegfried Schulz, der die Beratung in Crivitz durchführte. „Sie nutzen die Einsamkeit von älteren Menschen aus oder bauen psychischen Druck aus, um an die Ersparnisse zu kommen“, beschreibt der ehemalige Polizeibeamte. Besonders gefährdet seien zudem Menschen mit einer Demenz-Erkrankung.

Deshalb möchte Schulz die Teilnehmer zunächst für diese Form des Betrugs sensibilisieren. „Anhand von aktuellen Beispielen aus der Region zeige ich, wie die Täter vorgehen“, so der Experte und erklärt weiter: „Die Trickbetrüger sind oft bandenmäßig organisiert und reisen durch eine bestimmte Region.“

Hinzu kommen Dialoge am Telefon, die Schulz mit den Teilnehmern probt. „Es hilft bereits ein deutliches Nein auszusprechen oder im Zweifel aufzulegen“, sagt der Sicherheitsberater. Wichtig sei auch, sich nach Hintergründen der Anfrage zu erkundigen. „Den Mut hierzu aufzubringen, das ist der erste Schritt.“ Denn in der Regel wären Senioren vom Anrufer eingeschüchtert, insbesondere wenn sie denken, es handele sich bei dem Anrufer um die Polizei.

Doch was ist, wenn Senioren trotz Warnung auf den Trick reinfallen? „Dann unbedingt den Betrug bei der Polizei melden und Anzeige erstatten“, rät der Beamte, denn: „Die Dunkelziffern sind schwer einzuschätzen“, weiß Siegfried Schulz und fügt hinzu: „Der Schock nach dem Betrug oder die Scham lassen die Opfer schweigen.“

Christine Schade hofft jetzt besser auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. „Es kann jedem von uns passieren, da ist es wichtig, wachsam zu bleiben.“ Künftig wolle sie unbekannten Personen am Telefon misstrauischer gegenübertreten. Doch im Fall der 90-jährigen Greifswalderin ist es zu spät. Ihr Erspartes ist weg. Die Polizei ermittelt wegen Betruges.

Weitere Sicherheits-Beratungen finden am 14.3. im MEZ Gägelow (Landkreis Nordwestmecklenburg) und am 13.4. im Seniorentreff in Hagenow statt. Mehr Informationen zum Projekt über den Landesseniorenbeirat MV: 0385-55 57970

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