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DDR-Heimkinder-Hilfsfond : "Es ist Unrecht geschehen"

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Für ehemalige Heimkinder soll es künftig einen Hilfsfonds geben: Für Therapien und Rentenausgleichszahlungen werden der Bund und die ostdeutschen Länder insgesamt rund 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

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erstellt am 27.Mär.2012 | 10:36 Uhr

Berlin | "Ich könnte weinen", sagt Roland Militz. "Vor 40 Jahren bin ich aus dem Heim gekommen, und jetzt hört mir jemand zu." In seinen Händen hält Militz ein 6o Seiten starkes, eilig zusammengetackertes Papier. Es ist der von der Bundesregierung und den ostdeutschen Bundesländern gemeinsam vorgestellte Bericht zur Heimerziehung in der DDR, der gestern in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Er hält fest, dass in Kinder- und Jugendheimen der DDR "Zwang und Gewalt eine alltägliche Erfahrung waren" und besonders in den so genannten Spezialkinderheimen "allgemein die Menschenrechte verletzt und den Betroffenen Bildung verweigert wurde." Schlafentzug, Essenszwang und Strafduschen mit eiskaltem Wasser waren demnach im Heimalltag der DDR bis zum Jahr 1990 an der Tagesordnung. Zur Strafe seien Kinder mancherorts sogar in Waschmaschinentrommeln oder Heizungskeller eingesperrt worden.

Für ehemalige Heimkinder wie Roland Militz soll es künftig einen Hilfsfonds geben: Für Therapien und Rentenausgleichszahlungen werden der Bund und die ostdeutschen Länder nach Angaben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues (CDU), insgesamt rund 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Damit sollen die ehemaligen DDR-Heimkinder dieselben Hilfen erhalten wie die Heimkinder aus der früheren Bundesrepublik. "Es ist Unrecht geschehen", sagte Kues vor Journalisten in Berlin. Und auch Ländervertreter zeigten sich betroffen: "Wir erkennen Leid und Unrecht an und bitten um Entschuldigung", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD), deren Betroffenheit während der Pressekonferenz spürbar war - zwischenzeitlich versagte der Ministerin sogar die Stimme. Sie selbst sei zu DDR-Zeiten in behüteten Verhältnissen aufgewachsen. Erst als Ministerin sei sie mit dem konfrontiert worden, was andere Kinder und Jugendliche in DDR-Heimen erlebt hätten. "Dafür schäme ich mich, und das tut mir auch sehr leid."

Und auch die brandenburgische Ministerin für Bildung, Jugend und Soziales, Martina Münch (SPD), erklärte, froh darüber zu sein, "dass die Zeit des Schweigens nun endgültig vorbei ist." Die Heimkinder in der ehemaligen DDR seien nicht selbst Schuld an ihrer Situation gewesen. "Natürlich können wir mit Geld das erlittene Unrecht nicht wieder gut machen - aber wir können praktische Lebenshilfe leisten", sagte Münch.

Bis zum Sommer sollen in allen ostdeutschen Bundesländern Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet werden, die den Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte, bei der Suche nach ihren Akten und beim Zugang zu Hilfeleistungen aus dem Fonds helfen sollen. Bis dahin gibt es ein "Infotelefon für ehemalige Heimkinder", das unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 100 49 00 bei der Suche nach Ansprechpartnern helfen soll.

Weitere Informationen auch unter www.fonds-heimerziehung.de

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