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Gotteshaus verschandelt? : Es ist ein Kreuz mit den Kreuzen

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Kunst oder Provokation? Diese Frage stellen sich Kirchenbesucher in Tripkau. Pastorin : „70 Prozent der Gäste lehnen Gestaltung ab“

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erstellt am 04.Aug.2014 | 07:45 Uhr

Dank des großen Engagements von Künstlern, Handwerkern und Gemeindemitgliedern sei in dieser Kirche  ein Innenaum geschaffen worden, in dem sich Besinnung vor Gott und Feier glücklich verbänden. Von zahlreichen  Kreuzmotiven durchzogen, sei die Gestaltung einmalig in der hannoverschen Landeskirche. Mit diesen Worten  wird die  evangelisch-lutherische  Kirche St. Maria zu Tripkau  beworben.  Aber genau an diesen Kreuzmotiven scheiden sich offensichtlich auch die Geister. „Ich musste nach kürzester Zeit die Kirche verlassen, weil ich diese vielen Kreuze überall einfach nicht mehr ertragen habe“, gesteht beispielsweise Klaus Reibe aus Wittenburg. Und der 73-Jährige spricht von Verschandelung des Gotteshauses.

Wie könne man eine so schöne Kirche mit ihrer wunderschönen alten Orgel innerlich so unruhig gestalten? Das sei ein Stilbruch, kritisiert ein anderer Gast auf den Seiten des Besucherbuches. Eine „beeindruckende Gestaltung“, attestieren Befürworter dieser ungewöhnlichen Malerei.

„Das ist keine Kunst, das ist Grafik, habe ich gedacht, als ich erstmals diese Kirche betreten habe“, erinnert sich Renate Schieferdecker, studierte Kunstgeschichtlerin und seit April 2010 Pastorin für das gesamte Amt Neuhaus mit seinen rund 2200 Kirchgemeindemitgliedern. Die 62-jährige Sauerländerin betreut gemeinsam mit ihrem Mann Matthias von Neuhaus/Elbe aus alle Kirchgemeinden des Amtes Neuhaus. „Die Gestaltung der Kirche polarisiert zwischen extremer Ablehung und glücklicher Zustimmung“, berichtet die Pastorin weiter. Die Zahl derer, die so ihr Kreuz  mit den Kreuzen hätten, weil der erste Eindruck oft Unruhe vermittele,  läge bei rund 70 Prozent.

Das Innere des Gotteshauses wurde nach einer Großinstandsetzung 1998   neu gestaltet. Verantwortlich zeichnet dafür der Hallenser Grafik-Professor Ludwig Erler. Unterstützt wurde er dabei von dem damaligen Pastor Bernhard Ullrich. Die Kreuze sind sowohl aufrecht stehend als auch im 45 Grad Winkel gekippt. Selbst die Fenster zeigen die goldenen Kreuze auf Bleiverglasung. Vor den Fenstern des Schiffes schweben sie als plastische Körper aus Eisenblech.

„Die Absicht ist eine Doppelte: erstens den Raum durch die Durchkreuzung der Symmetrie des Fachwerks zu weiten. Und zweitens das Kreuz als Symbol  für die Last des Einzelnen darzustellen“, so  ein Deutungsversuch der Pastorin. „Ein paar Ruhezonen hätte man ruhig freilassen können, wie  die Fenster, die  Empore, die Decke oder die  Schalldecke der Kanzel“, sagt sie weiter und verheimlicht auch nicht, dass die Kreuze als Kunstwerk noch bis mindestens 30 Jahre über den Tod des Erschaffers hinaus von der örtlichen Kirchgemeinde zu erhalten seien. „Das hat Ludwig Erler so verfügt.“ Und Renate Schieferdecker lädt jeden Interessenten ein, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

 

Kirche St. Maria zu Tripkau

Zur evangelisch-lutherische Kirchengemeinde gehören die Orte Tripkau, Kaarßen und Wehningen. Seit 1618 gibt es in Tripkau ein Kirchengebäude. 1757 wurde es durch einen schlichten Saalbau ohne Turm ersetzt, und dieser Fachwerkbau bildet auch heute noch in der ursprünglichen Substanz das Kirchenschiff, das im Jahre 1864 um Chor, Sakristei und Turm erweitert wurde. Von der alten Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert ist nur die Empore erhalten; Kanzel, Taufstein und Altar sind von der gotisierenden Ausstattung des 19. Jahrhunderts geblieben; die Orgel stammt aus dem 18. Jahrhundert, ist aber erst später in dieser Kirche aufgestellt worden. Die Kirche wurde grundlegend renoviert und 1998 wieder eingeweiht.     

Quelle: Kirche am Elberadweg

 

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