Arbeitsmarkt MV : „Es gibt keine fertigen Fachkräfte“

Aktuell suchen auch Firmen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Pflegedienst neue Mitarbeiter.
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Aktuell suchen auch Firmen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Pflegedienst neue Mitarbeiter.

Gute Chancen für Jobsuchende: MV erwartet 2018 weiteren Beschäftigungszuwachs und erstmals weniger als 70 000 Arbeitslose

svz.de von
03. Januar 2018, 20:45 Uhr

Die Prognosen sind so gut wie nie: Gute Konjunktur, Arbeit für tausende neue Mitarbeiter, die größer werdende Fachkräftenot – halte die Entwicklung an, könnte MV Ende 2018 im Jahresschnitt erstmals weniger als 70 000 Arbeitslose zählen, prognostizierte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesarbeitsagentur Nord in Kiel, gestern – fast 31 000 weniger als fünf Jahre zuvor. Prognosen gehen 2018 von weiteren 7500 zusätzlichen sozialversicherungspflichten Jobs aus: „Das bietet Chancen für Arbeitslose.“

Wie schon in diesem Jahr: Bereits 2017 sei es auf dem Arbeitsmarkt „richtig gut gelaufen“, bilanzierte Haupt-Koopmann. Im Dezember habe die Zahl der Frauen und Männer ohne Arbeit zwar leicht zugenommen – um 4,8 Prozent auf 69 900. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl aber um 10,4 Prozent deutlich verringert. Damit hatten erstmals seit der Wiedervereinigung in einem Dezember weniger als 70 000 in MV keinen Job – dank guter Konjunktur und der demografischen Entwicklung. „Die Einschläge kommen so nahe, dass die Unternehmen ihre Fachkräfte auch im Winter halten“, meinte Haupt-Koopmann.

Der Arbeitsmarkt im Dezember
Der Arbeitsmarkt im Dezember
 

„Die wirtschaftlichen Perspektiven in Mecklenburg-Vorpommern haben sich deutlich verbessert“ erklärte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU): „Die Unternehmer des Landes investieren in ihre Betriebsstätten, schaffen und sichern damit nachhaltige Arbeitsplätze.“ Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war in den ersten zehn Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9700 auf 574 900 gestiegen.

Allerdings: Man dürfe nicht nur die polierte Seite der Medaille sehen, sondern auch die andere, warnte Haupt-Koopmann. Ein Drittel sei langzeitarbeitslos. Jeder zehnte Arbeitslose sei zwischen 25 und 35 Jahren und ohne Berufsabschluss.

Mit einem speziellen Förderprogramm Zukunftsstarter seien aus dieser Altersgruppe in den vergangenen Jahren 4300 Menschen in einen neuen Job gebracht worden. „Da geht noch jede Menge mehr“, appellierte Haupt-Koopmann an die Wirtschaft: „Es gibt nicht die fertige Fachkraft.“ Da müssten sich auch die Unternehmen mehr engagieren – auch ohne Förderung. Die Wirtschaftslage sei so, dass viele Firmen auch selbst Geld in die Hand nehmen könnten.

Die Landtagsopposition warnte indes vor Euphorie: Vor allem Hartz-IV-Empänger würden allein gelassen, empörte sich Henning Forester, Arbeitsmarktexperte der Linken-Landtagsfraktion, gestern: „Das Problem hat ein viel größeres Ausmaß als die Landesregierung uns weismachen will.“ Bund und Land müssten mehr in die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit investieren, statt weiter „sinnwidrig“ zu kürzen.

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