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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 04:57 Uhr

Kinderbetreuung : Erzieherinnen werden knapp

vom

Die Kita-Betreiber in MV machen sich Sorgen um ihr Personal - die Erzieherinnen werden knapp. In den größeren Städten können sie den Bedarf noch decken, aber in den Randbezirken gebe es jetzt schon Lücken.

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erstellt am 15.Apr.2012 | 06:01 Uhr

Rostock | Die Kita-Betreiber in Mecklenburg-Vorpommern machen sich Sorgen um ihr Personal - die Erzieherinnen werden knapp. "In den größeren Städten können wir den Bedarf noch decken, aber in den Randbezirken gibt es jetzt schon Lücken", sagt Doreen Scheiwe, Regionalleiterin beim Institut Lernen und Leben (ILL) in Greifswald. Die sinkende Zahl von Erzieherinnen sei auch deutlich bei Stellenausschreibungen zu sehen: Es melden sich sichtbar weniger Bewerber. Das ILL mit Hauptsitz in Rostock betreibt im Nordosten 41 Kitas und Horte und beschäftigt insgesamt rund 600 Mitarbeiter.

In Mecklenburg-Vorpommern leben nach Angaben des Statistischen Landesamts rund 77 000 Kinder im Alter unter sechs Jahren, die Quote für die Betreuung der Drei- und Sechsjährigen in Kitas liegt bei rund 94 Prozent, in Krippen mit Kindern bis zu drei Jahren bei knapp 40 Prozent. Entsprechend hoch ist der Fachkräftebedarf. Im vergangenen Jahr arbeiteten rund 11 600 Menschen, meist Erzieherinnen, in Kitas und Horten.

Die Situation im Land wird sich nach Worten Scheiwes verschärfen, wenn die Zahl der Kinder pro Erzieher wie geplant verringert wird. Derzeit werden 17 Kita-Kinder von einer Erzieherin betreut, langfristig sollen es 15 sein. "Diese Entwicklung wünscht sich zwar jede Erzieherin und jeder Träger, aber damit macht sich das nächste Problem auf."

Noch viel höher ist der Fachkräftebedarf im Westen der Republik, wo die Zahl der Kindergärtenplätze massiv ausgebaut werden muss. Bund, Länder und Kommunen hatten 2007 vereinbart, bis August 2013 für 750 000 Kleinkinder oder 35 Prozent ein Betreuungsangebot in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege bereitzustellen.

Es wird immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu gewinnen, bestätigt Andrea Reimann, Sprecherin der Hansestadt Greifswald. In den vergangenen Jahren kamen auf eine Ausschreibung etwa zehn Bewerbungen, jetzt sind es drei. "Wir befürchten, dass sich die Situation durch den Personalnotstand in den Kitas der alten Bundesländer weiter verschärfen wird."

Davon ist in der Beruflichen Schule in Neubrandenburg nicht viel zu spüren. "Die meisten jungen Leute, die wir ausbilden, bleiben hier", sagt Fachbereichsleiterin Andrea Dittmar. Nur wenige ziehe es in die Ferne. Die Schule verzeichne eine sehr große Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. Einer Statistik zufolge waren 2011 landesweit rund 1100 jungen Menschen in der Erzieherausbildung.

Problematisch ist nach Worten von Peggy Lehm, bei der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern für 96 Kitas mit 915 Angestellten zuständig, die Altersstruktur der Mitarbeiter. Von den landesweit knapp 10 000 Kita-Erzieherinnen im März 2011 waren 56 Prozent älter als 45, weitere 22 Prozent älter als 55 Jahre. Bundesweit sind dagegen nur 12,2 Prozent der Erzieherinnen älter als 55 Jahre.

Auch die geplante Senkung der Beiträge werde sich mit einer Zunahme von Krippenkindern bemerkbar machen, ist sich Peggy Lehm sicher. Zudem werde sich die Verbesserung der Situation für Frauen auf dem Arbeitsmarkt auswirken. Um die Lage zu entspannen, sollte ihrer Ansicht nach die Ausbildungszeit von vier auf drei Jahre reduziert und eine duale Ausbildung mit starkem Praxisbezug eingeführt werden.

Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) schlägt angesichts des steigenden Bedarfs an Erzieherinnen vor, dass zunächst die Teilzeitbeschäftigten von ihren Arbeitsgebern mehr Stunden angeboten bekommen. Auch die Bezahlung müsse attraktiver werden. "Das Land wird weiter in Kitas investieren, auch um die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen zu verbessern", sagte die Ministerin zu.

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