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Kindertagesförderungsgesetz : Erzieherausbildung wird neu geregelt

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Aus der Onlineredaktion

Schon ab diesem Herbst soll neuer dualer Ausbildungsgang möglich werden

svz.de von
erstellt am 23.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Jetzt soll alles ganz schnell gehen: Bereits auf seiner nächsten Sitzung am 5. und 6. April wird sich der Landtag mit einer Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes, kurz Kifög, beschäftigen. Die Fraktionen von SPD und CDU haben gestern einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Dreh- und Angelpunkt der Gesetzesnovelle sind Änderungen in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. „Es gibt ganz unbestritten einen erhöhten Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern bei uns im Land. Hier müssen wir auch kurzfristig eine Lösung finden“, begründete der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Vincent Kokert, die Initiative.

Aus Sicht des Sozialministeriums sind es gleich mehrere Gründe, die im Land den Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern wachsen lassen: So führt der demografische Wandel zum altersbedingten Ausscheiden vieler qualifizierter Fachkräfte. Auch aufgrund steigender Geburtenzahlen werden Angebote der Kindertagesförderung vermehrt in Anspruch genommen. Und nicht zuletzt führt die kontinuierliche Erhöhung der Qualitätsstandards in den Kindertagesstätten – sprich: die Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation – ebenfalls zu einem erhöhten Personalbedarf.

Ab Herbst dieses Jahres sollen junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern deshalb erstmals die Möglichkeit erhalten, sich in einem dualen Ausbildungsgang zur Erzieherin bzw. zum Erzieher ausbilden zu lassen, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Krüger. „Das ist bundesweit einzigartig.“

Bislang ist die Erzieherausbildung in MV eine rein schulische und dauert vier Jahre. Die duale Ausbildung zur „Staatlich geprüften Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“ wird dagegen auf drei Jahre verkürzt, wie Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) bereits auf der letzten Landtagssitzung erklärt hatte. Nicht nur, dass die Auszubildenden dabei von Anfang an stärker in die betriebliche Praxis eingebunden würden, mache diese Ausbildung attraktiver, betonte jetzt SPD-Fraktionschef Krüger. „Dazu ist auch eine Ausbildungsvergütung vorgesehen.“ Auch deshalb seien die geplanten Änderungen ein wichtiger Schritt, um künftig dem Fachkräftebedarf gerecht werden zu können.

Die Linke allerdings wirft den Koalitionsparteien vor, „viel zu spät und halbgewalkt auf den bereits seit Jahren bestehenden Erziehermangel zu reagieren“. Das erklärte gestern die Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin Simone Oldenburg. Ihre Befürchtung ist zudem, dass die künftigen Auszubildenden in den Kitas als Lückenbüßer verheizt werden. „Sie werden auf den Personalschlüssel angerechnet, damit das Land Erzieherinnen und Erzieher sparen kann“, so Oldenburg. Ihre Fraktion fordere, dass die Auszubildenden zusätzlich in die Kitas kämen, ohne dass gleichzeitig die Erzieherstellen reduziert werden. Außerdem müsse das Land die Kosten für die Ausbildung übernehmen.

Die Regierungskoalitionäre wollen indess einen anderen Weg gehen, um die Fachkräftesituation in Kitas zu verbessern: Dazu soll der im Kifög enthaltene Fachkräftekatalog erweitert werden. Künftig können Erziehungsfachkräfte dann in multiprofessionellen Teams beispielsweise von Logopäden, Musik- und Sonderpädagogen sowie Assistenzkräften unterstützt werden.

CDU-Fraktionschef Kokert kündigt für die parlamentarischen Beratungen eine ergebnisoffene Diskussion an, in der auch die Fachleute zu Wort kommen sollen. Geht es nach den Koalitionsparteien, soll noch vor der Sommerpause die zweite Lesung des Gesetzes erfolgen, sodass es zum Herbst in Kraft treten kann. Nach Vorstellungen der Sozialministerin soll die neue duale Erzieherausbildung dann an mindestens zwei der dafür in Frage kommenden fünf öffentlichen beruflichen Schulen beginnen.

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