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Europameister Jürgen Brähmer verteidigt in Schwerin seinen Titel : Erwartet schwerer Arbeitssieg

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Es war zu befürchten: "Gegen solch einen unbequemen Gegner kannst du eigentlich nur schlecht aussehen", hatten Trainer Karsten Röwer und Europameister Jürgen Brähmer vor dem Kampf geargwöhnt.

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erstellt am 25.Aug.2013 | 08:23 Uhr

Schwerin | Es war zu befürchten: "Gegen solch einen unbequemen Gegner kannst du eigentlich nur schlecht aussehen", hatten Trainer Karsten Röwer und Halbschwergewichts-Europameister Jürgen Brähmer vor ihrem samstäglichen Schwerin-Debüt im Sauerland-Dress gegen Stefano Abatangelo geargwöhnt.

Und in der Tat: Diejenigen der gut fünfeinhalbtausend Zuschauer in der rappelvollen Sport- und Kongresshalle, die sich auf einen boxerischen Leckerbissen gefreut hatten, waren vom nächtlichen Duell mit dem italienischen Meister sicher enttäuscht. Von einem glänzenden Kampf, gar einem kurzrundigen Erfolg wie zuletzt im April über den ebenfalls als unbequem geltenden Franzosen Tony Averlant, war Jürgen Brähmer diesmal weit weg.

Was aber beileibe nicht nur an ihm lag. Abatangelo, mit 1,70 m Körpergröße immerhin elf Zentimeter kleiner als der Titelverteidiger, tat das, was (fast) alle kleinen Boxer in seiner Situation versucht hätten: Kopf runter und zum Rammsporn geformt - und dann gnadenlos nach vorn marschiert, um im Infight Brähmers größere und gefährliche Reichweite zu überbrücken. Die logische Folge waren ein fortwährendes Gehalte und Geschiebe sowie am Ende zwei Boxer, die mit Augenbrauen-Cuts für die diversen Kopfstöße zu büßen hatten.

Dabei sah es in den Anfangsrunden so aus, als sollte der Schweriner den Kampf nicht nur sicher gewinnen - was er auch so tat -, sondern Abatangelo auch wirklich gar nichts gestatten. Dem Europameister selbst aber schien diese Taktik zu wenig erfolgversprechend. "Da habe ich zuviel über Konter versucht, ich hätte ihn vielleicht mehr anboxen sollen", begründete Brähmer die Abkehr vom anfänglichen Distanzboxen.

Sein Trainer indes sah es anders. "Zu Beginn hat Jürgen schön versucht, lang zu bleiben", lobte Röwer, "später hat er sich leider zu sehr auf die Halbdistanz eingelassen."

Einig waren sich beide hingegen wieder in der Einordnung des Kampfes. "Wichtig war, dass wir zwölf Runden boxen konnten", sagte der Trainer. "Es waren zwölf lehrreiche Runden. Und es ist noch Luft nach oben, keine Frage", fügte sein Schützling mit Blick auf den nun hoffentlich bald anstehenden WM-Kampf (siehe Hintergrund) hinzu.

Rahmenkämpfer Kölling zeigt das schönste Boxen des Abends

Wer am Samstag schon pünktlich zum ersten Gong des Rahmenprogramms um 19.15 Uhr in der Halle war, wurde gleich Augenzeuge der boxtechnisch schönsten Leistung des Abends. Röwer-Schützling Enrico Kölling (23), in London 2012 noch Olympiakämpfer, glänzte bei seinem Technischen K.o. in der 3. Runde über den Österreicher Haris Kausevic mit lehrbuchreifen Kombinationen zu Kopf und Körper. Geht seine Entwicklung so weiter, reift da ein neuer Champion heran.

Hintergrund: Brähmers weiterer Weg
Pflichtherausforderer des Weltmeisters – und nun?
Jürgen Brähmer ist Pflichtherausforderer um den WM-Titel der World Boxing Organization (WBO). Dort hat sich vor neun Tagen ein Thronwechsel vollzogen. Der Waliser Nathan Cleverly, der im Mai 2011 den WM-Gürtel am grünen Tisch vom dreimal in Folge nicht angetretenen Jürgen Brähmer „geerbt“ hatte, verlor den Titel an den Russen Sergej Kowalew. Die Frage ist nun, was das für den Schweriner Sauerland-Profi bedeutet.
„Bei der WBO-Tagung in der nächsten Woche werden wir erfahren, ob auch für Kowalew gilt, was für Cleverly galt“, sagte Promoter Kalle Sauerland in Schwerin in der Nacht zum Sonntag. Im Klartext: Für Cleverly wäre seine nächste Titelverteidigung eine Pflichtverteidigung – eben jene gegen Jürgen Brähmer – gewesen. Dass der neue Weltmeister Kowalew gleich pflichtverteidigen muss, ist eher unwahrscheinlich. So könnte sich Brähmers für Ende des Jahres ins Auge gefasster WM-Kampf zumindest verzögern.
Wie sieht es in den Verbänden WBA, WBC und IBF aus? WBC-Weltmeister Adonis Stevenson (Kan) hat Ende September die Pflichtverteidigung gegen Tavoris Cloud (USA) vor der Brust. WBA-Champion ist der Kasache Beibut Shumenow. Er hat seit Juni 2012 nicht geboxt und auch nichts im Plan. Gegen ihn sollte Brähmer schon Anfang 2011 boxen – es wurde die zweite von dessen drei Absagen. „Die WBA wäre interessant“, sagt Kalle Sauerland.
Noch interessanter könnte die IBF werden. Dort verteidigt Bernard Hopkins (USA) seinen Titel am 26. Oktober gegen Sauerland-Profi Karo Murat. „Gewinnt Karo, hätten wir sofort wieder ein Trainerduell Wegner gegen Röwer“, sagt Sauerland. „Gewinnt allerdings Hopkins, will der gegen Kowalew boxen. Das wäre eine Titelvereinigung und hätte in jedem Fall Vorrang vor einem Brähmer-Kampf.“ Das gälte für IBF und WBO gleichermaßen.erha

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