Geringe Ernte in MV : Ertragseinbußen nach mildem Winter befürchtet

Auf vielen Feldern stehen derzeit riesige Pfützen.
Auf vielen Feldern stehen derzeit riesige Pfützen.

Der Temperatursturz um Neujahr und anschließende Fröste ohne schützenden Schnee haben auf den Feldern Schäden hinterlassen

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26. März 2016, 09:00 Uhr

Die Landwirte in MV erwarten in diesem Jahr einen deutlich geringeren Ernteertrag als 2015. Grund dafür sind vor allem die Wetterextreme zum Jahresanfang. Vielerorts sollen nachhaltig geschädigtes Wintergetreide und auch Raps durch Sommerkulturen ersetzt werden.

Doch viele Felder sind wegen des Regens der vergangenen Wochen kaum befahrbar. Ackerbauexperten der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow bei Güstrow raten, die Frühjahrsarbeiten noch etwas hinauszuschieben.

Auf einen Wintergerstenschlag bei Wahrstorf unweit von Rostock ist in den Senken kaum noch eine Pflanze auszumachen. Der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Papendorf, Klaus Zeplien, vermutet, dass dort im Januar der eisige Wind besonders gewütet hat. „Ohne schützenden Schnee hält das die stärkste Pflanze nicht aus“, sagt er. Davon, die geschädigten Flächen umzubrechen und Sommerkulturen anzusäen, rät er ab. „Damit würden wir den Schlag zerstückeln. Das funktioniert schon technologisch nicht. Zudem ist die Fläche einfach noch zu nass, um sie zu befahren.“ Noch größere Schäden als im Raum Rostock werden aus den Regionen Neubrandenburg und Güstrow-Bützow gemeldet. Dort waren die Wetterextreme im Januar besonders groß. Binnen weniger Stunden fielen die milden Temperaturen um Neujahr auf minus 15 Grad und darunter. Der erhoffte Schnee als Schutzschicht über den Kulturen blieb aus. In dem Fall sprechen die Bauern von Kahlfrösten. Vergleichsweise entspannt ist die Situation nur im Bereich Ludwigslust-Parchim.

„Der Kahlfrost hat alle Kulturen nachhaltig geschädigt“, heißt es beim Bauernverband in Güstrow. Vor allem bei der gegenüber Weizen empfindlicheren Wintergerste werden nach bisherigem Stand Verluste von bis zu 20 Prozent erwartet. In einigen Regionen haben Landwirte zudem bei Raps eine Krankheit ausgemacht.

Der Ackerbauexperte des Landesbauernverbandes in Neubrandenburg, Frank Schiffner, verweist auf die starken Niederschläge der letzten Wochen, in deren Folge die Böden voller Wasser sind. Weil es Probleme mit der Drainage gibt, stehen riesige Pfützen auf Feldern und Wiesen. „Jetzt auf den Acker zu fahren, würde mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen“, so Schiffner.

Gleichwohl herrscht Nervosität. Der viele Regen hat dazu geführt, dass für den Vegetationsbeginn notwendige Nährstoffe ausgewaschen wurden. „Die Pflanzen brauchen dringend Dünger. Vor allem auch Stickstoff, der das Wachstum anregt“, sagt Schiffner.

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