Erstmals weniger als 100 000 Arbeitslose

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01. Juli 2010, 11:52 Uhr

Schwerin | Das hat es seit der Gründung des Landes vor 20 Jahren nicht gegeben: Noch im Dezember rechnete Arbeitsagenturchef Jürgen Goecke damit, dass spätestens in drei Jahren die 100 000er-Marke unterschritten werde. Die Entwicklung hat ihn überholt: Mit 99 963 Frauen und Männer ohne Job im Juni hat MV erstmals den Wert unterschritten - Quote: 11,6 Prozent. Mit Ludwigslust, Rügen, Bad Doberan und Nordwestmecklenburg rutschten vier Kreise unter die Zehn-Prozent-Marke, teilte die Arbeitsagentur gestern mit.

Die überraschende Botschaft spiegelt allerdings kaum die Situation auf dem Arbeitsmarkt in MV wieder: Zwar sei die wirtschaftliche und saisonale Entwicklung stärker als angenommen ausgefallen, erklärte Goecke. So hätten auf dem Bau deutlich mehr Beschäftigte Arbeit gefunden als erwartet - plus 800. "Da wirkt sich das Konjunkturprogramm aus", so Goecke. Auch gebe es deutlich mehr Stellenangebote - insgesamt 21 900 seit Jahresbeginn, 17,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es mehrten sich die Anzeichen dafür, dass der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise auf dem Arbeitsmarkt durchschritten sei. Die Konjunktur ziehe wieder an, "Betriebe suchen wieder Arbeitskräfte", sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Goecke rechnet indes auch in den kommenden Monaten mit weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen. Seine Prognose: Im Herbst werden voraussichtlich etwas mehr als 90 000 Arbeitslose in Mecklenburg-Vorpommern gezählt, 2011 könnte die 90 000-Marke gar unterschritten werden.

Doch: "Wir brechen nicht in Jubel aus", meinte der Agenturchef. "Es ist nicht alles gut." So gebe es neben den arbeitslos gemeldeten Frauen und Männern eine erhebliche Zahl Ein-Euro-Jobber und Arbeitssuche in Bildungsmaßnahmen. Mehr als 37 000 Arbeitslose steckten in Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, rechnete DGB-Landeschef Uwe Polkaehn vor. Zudem nehme die Leiharbeit zu, ebenso wie die"Tendenz zu prekären Beschäftigungsverhältnissen".

Doch die eigentliche Herausforderung steht MV erst noch bevor: Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist vor allem auf den dramatischen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zurückzuführen - monatlich werden es 1200 weniger. So wird Prognosen zufolge die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von rund einer Million in diesem Jahr auf 580 000 im Jahr 2050 sinken. Die Entwicklung erleichtert zwar kurzfristig die Lage und schont die Kassen der Arbeitslosenversicherung, langfristig wird sie für MV zum Wachstumsproblem - die große Krise steht erst noch bevor. "Menschen werden knapp", meinte Goecke. Vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe und das Handwerk würden es schwer haben, Personal zu bekommen. Die demografische Entwicklung "schönt" die Arbeitslosenstatistik, sagte Polkaehn.

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