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Rügener Einrichtung beantragt Hilfen : Erstmals im Land: Krankenhaus finanziell in Not

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Als die These für Schlagzeilen sorgte, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gebe, war das Schreiben längst raus: Mit dem Sana Krankenhaus Rügen hat erstmals eine Klinik in MV finanzielle Hilfen beantragt.

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erstellt am 09.Jan.2012 | 06:43 Uhr

Bergen/Schwerin | Als der Chef der Barmer GEK in der vergangenen Woche mit seiner These für Schlagzeilen sorgte, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gebe, war das Schreiben längst raus: Mit dem Sana Krankenhaus Rügen hat erstmals eine Klinik in Mecklenburg-Vorpommern finanzielle Hilfen beantragt, weil der wirtschaftliche Betrieb nicht mehr sichergestellt werden kann. "Den Antrag auf einen Sicherstellungszuschlag haben wir schon im vergangenen Jahr gestellt, dass das ausgerechnet jetzt öffentlich wird, wo über die Zukunft der Krankenhauslandschaft diskutiert wird, ist sicher unglücklich. Aber ein schlechtes Gewissen habe ich nicht", betont Silke Ritschel, die Geschäftsführerin des 232-Betten-Hauses in Bergen auf Rügen. Zumal: "Unser Antrag bezieht sich nicht auf das ganze Krankenhaus, sondern nur auf die Geburtshilfe und die Kinderheilkunde."

420 Entbindungen bringen zu wenig Geld ein

Personell und infrastrukturell sei das Krankenhaus gut aufgestellt, betont die Geschäftsführerin. Das Problem sei die demografische Entwicklung: Im vergangenen Jahr gab es im Sana Krankenhaus noch 420 Entbindungen. "Das ist eine gute Zahl. Aber die Fallpauschalen für diese Leistungen reichen nicht aus, um die Kosten dieser Abteilung vollständig zu decken." Denn es müssten rund um die Uhr ein Arzt, ein Kinderarzt und eine Hebamme vorgehalten werden - auch wenn möglicherweise mehrere Tage nacheinander keine Entbindung stattfindet. Das sei Bestandteil des Versorgungsauftrages, den das einzige Krankenhaus auf der Insel übernommen hat - und durch den es Rüganern erspart bleibt, zur Entbindung oder mit ihren kranken Kindern auf Festland fahren zu müssen.

"Andere Fachabteilungen unseres Hauses wie die Innere oder die Chirurgie können die Ausfälle nicht quer-subventionieren", betont die Geschäftsführerin. Es ginge um "deutlich sechsstellige Beträge", konkrete Zahlen könnten erst dann mit den Krankenkassen ausgehandelt werden, wenn das Sozialministerium sich grundsätzliche mit dem Sicherstellungszuschlag einverstanden erklären würde. Positive Beispiele dazu sind aus Schleswig-Holstein bekannt.

Doch das Ministerium hat das Ansinnen der Rügener Klinik noch im Dezember zurückgewiesen. Unter Hinweis auf das laufende Verfahren wolle man sich zu Gründen nicht äußern, so Ministeriumssprecher Christian Moeller.

Signalwirkung für das ganze Land?

Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV), vermutet, dass die Furcht vor einer Signalwirkung dahinterstecken könnte. "Im Krankenhausfinanzierungsgsetz ist ausdrücklich vorgesehen, dass Häuser in strukturschwachen Regionen mit einem Sicherstellungszuschlag unterstützt werden können." Und strukturschwach sei nun einmal das ganze Land. "Von den großen Häusern in Schwerin und Rostock einmal abgesehen ist unter normalen Bedingungen in keinem Krankenhaus ein wirtschaftlicher Betrieb aufrecht zu erhalten", glaubt Gagzow. Dass bisher noch kein anderes Haus einen entsprechenden Antrag gestellt hat, hängt seiner Meinung nach vor allem mit dem Konkurrenzdruck zusammen: "Es würde dadurch ja seinen Mitbewerbern signalisieren, dass es schwach auf der Brust ist." Es sei aber richtig, dass das Bergener Krankenhaus den Zuschlag beantragt hat. "Wir werden das Haus nach Kräften unterstützen", betont der KGMV-Geschäftsführer.

Silke Ritschel hat bereits Klage gegen den ablehnenden Bescheid des Sozialministeriums eingereicht. Parallel dazu will sie in der nächsten Woche noch einmal ihre Position darlegen, wenn sie zur aktuellen Krankenhausplanung im Sozialministerium angehört wird.

Bei den Kostenträgern wie der AOK-Nordost hält man sich im konkreten Fall bedeckt. "Wir sind dagegen, weitere Krankenhäuser im Land zu schließen, aber Umstrukturierungen und damit auch die Schließung einzelner Abteilungen sind unumgänglich", so Vorstandsvorsitzender Frank Michalak. Entbindungsstationen könne es künftig nicht mehr an allen Standorten geben, an denen sie derzeit existieren. Kein gutes Signal für Rügen.


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