zur Navigation springen

Aus für Tanzkompanie Neustrelitz : Erstes Opfer der Theaterreform?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz meldet sich geschlossen arbeitslos. Brodkorb schreibt an Kultus-Staatsministerin Grütters

„Mit erhobenem Haupt, die Beschäftigten der Deutschen Tanzkompanie“ – so ist ein dramatischer Appell der 23 Beschäftigten der Tanzkompanie Neustrelitz unterschrieben, der gestern Vormittag an die Öffentlichkeit ging. Gestern Nachmittag meldeten sich die Beschäftigten, darunter 14 Tänzer, beim Arbeitsamt in Neustrelitz arbeitslos.

Ursache: Die Finanzierung der Tanzkompanie ist nicht gesichert. Es geht um 950 000 Euro vom Land. Im Zuge der Theaterreform von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) standen die Träger der Theater- und Orchestergesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz vor Jahresfrist vor der Alternative, sich bei der Fusion mit den anderen Häusern entweder für das Schauspiel oder für die Tanzkompanie zu entscheiden. Die Entscheidung fiel für das Schauspiel. Das Land hatte das Ballett favorisiert. Dessen Etat soll jetzt in das neue Staatstheater Nordost fließen. Ist das traditionsreiche Ballett das erste Opfer der Reform?

„Die Tanzkompanie hat nur bis Ende August Finanzierungszusagen“, sagte gestern Geschäftsführer Wilhelm Denne unserer Zeitung. Also werden bestehende Verträge nicht verlängert, andere Mitarbeiter müssen gekündigt werden. Denne: „Es gibt natürlich eine Reihe von Konzepten, aber nichts Konkretes.“ Zuletzt hatte sich die Staatsministerin für Kultur beim Bund, Monika Grütters (CDU), für den Erhalt der Tanzkompanie in Neustrelitz ausgesprochen.

Gestern schickte ihr Kultusminister Brodkorb einen Brief, in dem er sie um finanzielle Unterstützung bat. „Angesichts der durch Sie zum Ausdruck gebrachten Wertschätzung und der ausdrücklichen Hervorhebung des transregionalen sowie internationalen Engagements der Deutschen Tanzkompanie bin ich nunmehr aber sicher, dass Sie es ebenso wie ich für angemessen erachten würden, wenn Sie sich in Vertretung des Bundes künftig an der Finanzierung der Deutschen Tanzkompanie beteiligten. Ich freue mich daher sehr über Ihre Signale und würde gerne zeitnah in Gespräche darüber eintreten, in welchem Umfang Sie sich eine dauerhafte Beteiligung an den Kosten vorstellen können“, schreibt Brodkorb. Es geht um 500  000 Euro.

Der Neustrelitzer Intendant Joachim Kümmritz setzt hingegen auf die politische Situation vor den Wahlen: „Die Fusionsgespräche sind noch nicht soweit gediehen. Deshalb wäre es das Klügste, die Frist ein Jahr zu verlängern.“

Derzeit inszeniert das Ballett u.a. „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „53°N – Völker wandern“, es ist in die „Zar und Zimmermann“- Premiere am 5. Juni eingebunden und in die Schlossgartenproduktion „Im weißen Rössel“.

Die Tanzkompanie geht auf das 1954 gegründete Dorf- und Folkloreensemble der DDR zurück und wurde 1991 neu gegründet.

Das Ensemble ist das einzige selbstständige zeitgenössische Tanztheater im Nordosten.

 

zur Startseite

von
erstellt am 31.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen