Erste persönliche Spur im Flieger-Wrack

<strong>Entdeckt: </strong>Tauchereinsatzleiter Lutz Wendt zeigt das  knapp 15 Zentimeter lange, mit Chrom und Tropenholz verzierte so genanntes Kappmesser. Foto: Stefan Sauer, dpa
Entdeckt: Tauchereinsatzleiter Lutz Wendt zeigt das knapp 15 Zentimeter lange, mit Chrom und Tropenholz verzierte so genanntes Kappmesser. Foto: Stefan Sauer, dpa

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12. Juni 2012, 09:52 Uhr

Sassnitz | Bei der Bergung eines im Zweiten Weltkrieg in die Ostsee gestürzten Sturzkampfbombers hat ein Pioniertaucher der Bundeswehr am Montag erstmals einen persönlichen Gegenstand der Besatzung geborgen. Dabei handle es sich um ein sogenanntes Kappmesser, wie es noch heute zur persönlichen Ausrüstung von Piloten und Fallschirmspringern gehöre, sagte Cheftaucher Lutz Wendt.

Das Messer, das mehr als 60 Jahre in 18 Metern Tiefe auf dem Ostseegrund gelegen habe, sei noch relativ gut erhalten. Es bestehe aus einer Edelstahlklinge und einem aus Tropenholz gefertigten Griff. Sein Fund sei ein Indiz dafür, dass die Besatzung seinerzeit beim Absturz ums Leben gekommen sei, sagte Wendt. Restauratoren sollen nun untersuchen, ob im Messergriff Initialen des früheren Besitzers eingraviert sind. Nach Angaben von Experten könnte sich im Griff - wie seinerzeit oft üblich - auch eine kleine Geheimkammer befinden, in der viele Piloten für den Notfall eine Zyankalikapsel aufbewahrt hatten.

Geborgen wurden ferner etwa 20 größere Trümmer, darunter Reste eines Höhenleitwerks mit Höhenruderflosse sowie Teile einer völlig zerstörten Tragfläche. Aufschluss über das Schicksal des Sturzkampfbombers (Stuka) vom Typ Junkers 87-D könnte der bereits am Samstag geborgene, aber noch von betonhartem Schlick überzogene Zwölf-Zylinder-Flugzeugmotor geben. Anhand der eingestanzten Seriennummer könnte man möglicherweise Rückschlüsse auf das Geschwader der Maschine, die Besatzung und ihren Auftrag erhalten, sagte Wendt.

Unterdessen rätseln die Bergungsspezialisten über die Absturzursache. Bislang seien weder Einschusslöcher noch Bomben oder Munition gefunden worden, sagte Sebastian Bangert, Sprecher des Militärhistorischen Museums Dresden, das die Maschine restaurieren will. Der hölzerne Propeller sei regelrecht abrasiert worden, was darauf deute, dass die tonnenschwere Maschine seinerzeit mit voller Wucht auf die Wasserfläche aufgeschlagen sei. Einiges deute darauf hin, dass die Landeklappen ausgefahren waren, der Pilot also möglicherweise nur zehn Kilometer von Sassnitz entfernt notwassern wollte.

Unklar ist bislang auch, warum die Maschine offenbar nicht mit der typischen Bewaffnung wie dem üblichen Zwillings-Maschinengewehr MG 81 bestückt war. Möglicherweise habe es sich seinerzeit lediglich um einen Überführungsflug gehandelt, sagte Bangert. Eine andere These gehe davon aus, dass die Besatzung mit der waffenlosen Maschine kurz vor der Kapitulation Deutschlands 1945 auf dem Rückflug aus den besetzten Gebieten und wegen Treibstoffmangels abgestürzt war. Möglicherweise sei die Besatzung aus dem Kurlandkessel in Litauen geflohen, sagte Bangert.

Nach Angaben der Taucher stecken derzeit noch etwa 40 Prozent der Stuka im Muschelschlick. Die Maschine soll bis Donnerstag komplett freigespült und geborgen werden, darunter auch Reste der Kanzel sowie eine mehr als acht Meter lange Tragfläche.

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